„Da hinein ...“ machte er. „Du wirst doch nicht ... Ich kann nicht, Max! Laß mich, ich kann heute nicht unter Menschen gehen!“

Max Storf nahm mit festem Griff den Arm des Freundes und zog ihn gewaltsam mit sich fort.

„Es ist noch nicht spät, Felix. Es wird dir gut tun. Die Stammgäste kommen ja erst später.“

Im Herrenstübel war es gähnend leer. Eine Lampe erleuchtete den Raum nur sehr spärlich.

Der junge Arzt war dem Freund behilflich, den Hut und den Überzieher abzulegen. Gleichgültig ließ Felix alles mit sich geschehen. Es fröstelte ihn. Wie in einem Traumzustand befand er sich, aus dem er nie wieder zu erwachen wünschte.

Für Augenblicke kam ihm seine ganze Lage zum Bewußtsein. Durchgefallen, wieder durchgefallen! Was wohl jetzt mit ihm geschehen würde? Ob sich die Verwandten nun von ihm abwenden würden? Nur nicht nachdenken, nur jetzt nicht nachdenken!

Wie ein milder, alles verstehender Vater redete Max Storf mit guten Worten auf Felix ein. „Nimm’s nicht so hart, Felix. Du kannst ja nichts dafür. Es ging dir halt die ganze Sache gegen deine Natur. Vielleicht ist’s zu deinem Glück, daß es so gekommen ist!“

„Glück!“ Mit bitterem Hohn wiederholte Felix dieses Wort. „Glück! Als ob ich je ein Glück gekannt hätte im Leben!“

Und dann saßen die beiden jungen Männer schweigend nebeneinander, eine ganze Weile lang.

Erst nach geraumer Zeit kam Sophie ins Herrenstübel. Die Kellnerin von der Schwemme hatte sie darauf aufmerksam gemacht, daß im Herrenstübel Gäste seien. Die Schwemme befand sich auf der rückwärtigen Seite des breiten, gewölbten Hausflurs und war das Gastzimmer derjenigen Besucher des Weißen Hahn, die im sozialen Leben eine oder auch zwei Stufen niedriger standen als die Gäste des Herrenstübels.