Es geschah nicht oft, daß die Schwemmkellnerin ihrer Kollegin einen Gefallen erwies. Ganz im Gegenteil. Wenn sie ihr einen Possen spielen konnte, so tat sie es. Teils aus Neid auf deren bevorzugte Stellung und teils aus persönlicher Abneigung.

Die Sophie war daher äußerst erstaunt über die ungewohnte Liebenswürdigkeit der andern. „Bist ja heut’ gar amal nett zu mir, Kathl!“ meinte sie scherzend. „Wo muß i denn das hinschreiben?“

„Von mir aus, wohin du willst!“ erwiderte die andere schnippisch. Sie trug einige Biergläser in der Hand und stieß im Vorbeigehen mit Absicht an die Sophie an, so daß ihr der braune Saft über die blendend weiße Schürze spritzte.

„Macht nix!“ sagte die Sophie scherzhaft. „Bin jung g’nug. Das kann i schon aushalten!“

Dabei zeigte sie im Lachen die zwei Reihen großer, schöner, weißer Zähne, die in dem braunen, gesund geröteten Gesicht den Eindruck kräftigster Lebensfrische nur noch erhöhen halfen. Die Sophie wollte darauf anspielen, daß die Kathl sich schon den Dreißigern näherte, während sie selber ja noch in der ersten Blüte der Zwanziger stand.

Mit flinken Schritten lief sie dann ins Herrenstübel. „Ja, Herr Altwirth und der Herr Doktor!“ machte sie erstaunt und hielt den beiden die Hand zum Gruße hin. „Was ist denn das, daß Sie schon da sind so zeitlich?“

Die Sitzungen im Herrenstübel gingen immer erst viel später an. Vor sieben Uhr war noch wenig Leben in der Bude.

Ein feines Rot bedeckte das zarte Gesicht von Felix Altwirth, als er zu dem hübschen Mädchen aufsah, das vor ihm stand und ihn forschend anschaute. Seine großen, etwas träumerischen blauen Augen leuchteten auf. Es tat ihm wohl, ihr frisches, teilnehmendes Gesicht zu sehen.

„Ich hab’ Prüfung gemacht, Fräul’n Sophie ...“ sagte er dann zögernd.

„Ja ... und?“ Er glaubte etwas wie eine geheime Sorge in dem Klang ihrer Stimme zu vernehmen. „Wie ist’s denn ausgangen?“