Die Anna wartete geduldig noch eine Woche lang, dann aber faßte sie sich ein Herz und ging zu ihm. Sie wollte Gewißheit haben, das Harren und Bangen quälte gar zu sehr.
Zaghaft klopfte sie an, trat zaghaft ein. Da war gerade Karl Pfannschmidt anwesend und beriet die Zusammenstellung der nächsten Zeitungsnummer mit dem verantwortlichen Schriftleiter.
Verlegen sprang Pichler auf.
„Was bringen Sie mir denn Schönes, Fräulein?“ fragte er und bemühte sich, seiner unsicheren Stimme einen geschäftsmäßigen Tonfall zu geben.
„Ich bring’ nichts,“ antwortete sie leise, „ich will mir was holen.“
„Ach ja richtig, das hatte ich ganz vergessen!“ erwiderte Otto und schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Jetzt fällt’s mir wieder ein! Bitte, wollen Sie hier eintreten!“ Er führte sie ins Nebenzimmer. „Sie entschuldigen schon einen Augenblick!“ sagte er noch zu Pfannschmidt.
Drinnen herrschte er das arme Ding mit scharfer Flüsterstimme an: „Was soll das heißen, Anna? Was fällt dir ein, hieher zu kommen! Denk’ doch an deinen Ruf!“
„Ich will mir was holen!“ murmelte das Mädchen.
Nun versuchte er es in einer anderen Tonart. „Ich konnte wirklich nicht abkommen, Annl!“ sagte er mit biederer Herzlichkeit. „War mit Geschäften überhäuft. Das geht manchmal nicht anders. Aber sobald ich wieder Luft hab’ ...“
Sie schüttelte langsam den Kopf.