Anheim setzte seine Anklage fort:

„Drittens endlich widerrätst du auch den Streik, von dessen Notwendigkeit wir alle überzeugt sind. Kurz und gut: Ich halte es entschieden für einen Fehler, der scharfe Mißbilligung verdient, wenn sich Leibinger des von Herrn Doktor Kolben behaupteten, aber durch nichts bewiesenen Vorgehens gegen dich schuldig gemacht hat. Indes, nach dem Vorgesagten, hätte er — nach meiner Ansicht und nach der Ansicht vieler Parteimitglieder — gegen den Freund Otto Pichlers zwar in der Form, kaum aber in der Sache unrecht gehabt. Bedingungslos vertrauen können wir dir nicht mehr. Wir haben das übrigens in einer vertraulichen Sitzung schon früher festgestellt, und ich bin beauftragt, alle diese Dinge beim nächsten Reichsparteitag zur Sprache zu bringen. Wenn ich sie dir vorher mitteile, um dir die Rechtfertigung zu erleichtern, so erblicke darin einen Beweis, daß wir dich nur ungern verlieren würden.“

Fritz war ganz farblos. Aber seine Augen funkelten wie Stahl in der Sonne.

„Bist du — zu — Ende?“ keuchte er und preßte die Faust gegen die Brust, um dem übermächtigen Pochen des Herzens Einhalt zu tun. Anheim bejahte mit einem stummen Neigen des kahlen Hauptes. Da warf er den Kopf zurück und gewaltsam die Erregung zerdrückend, sprach er erst stoßweise und unsicher, dann immer kälter und verächtlicher:

„Der langen Rede kurzer Sinn ist: Ich — bin von den Geldmännern der bürgerlichen Parteien — bestochen — käuflich wie eine Marktware. Daß ich — euch nicht zu Gesicht stehe — wundert mich nicht. Aber — daß ihr so jämmerlich seid, daß ihr so erbärmlich niedrig denken könnt — macht das mit euch selber aus. Eins nur noch: Ich bin der festen Überzeugung, daß nur der Zufall drei solche Prachtexemplare in derselben Parteileitung zusammengeführt hat. Die Partei achte ich nach wie vor — aber betrachtet um euretwillen meinen Austritt mit dieser Sekunde als vollzogen ...“

Anheim hatte sich wieder erhoben.

„Wir werden Ihren Entschluß der Partei zur Kenntnis bringen,“ sagte er förmlich.

Und als Hellwig bereits die Klinke in der Hand hatte, rief ihm Mark noch schadenfroh nach: „Der Streik beginnt natürlich Montag!“

Da wandte er sich und seine Augen lohten.

„Der Streik beginnt nicht!“