Karus lachte höhnisch auf.
„Er duldet nicht, daß ihr einen Willen habt!“ rief er. „Kuscht, Hunde, kuscht! Er duldet nichts, als daß ihr kuscht!“
Nun brausten sie wilder empor: „Wir kuschen nicht! Wir lassen uns das Maul nicht verbieten! Wir lassen Sanders nicht weg! Er darf nicht fort!“
Die Treuen Hellwigs riefen dagegen und scharten sich dichter um das Podium und suchten die Schreier abzudrängen. Doch ihre Zahl war nur klein. Denn viele hielten sich zurück und standen unentschlossen da und wußten nicht, wem sie recht geben sollten. Der alte Bogner aber wollte immer wieder auf Sanders los und rang mit seinem Schwiegersohn, der ihn zurückhielt, und zitterte am ganzen Leibe und weinte vor Wut laut auf.
„Mach’ die Kündigung rückgängig!“ flehte Reinholt abermals. Hellwig schüttelte nur mit einem kurzen Ruck den Kopf. Jetzt mußte er fest bleiben, durfte sich die Leitung nicht aus den Händen winden lassen, sonst war alles verloren.
„Niemand darf hier drohen!“ sprach er in den Lärm hinein, laut und hell. „Niemand! Ich nicht und ihr nicht und niemand! Sanders ist entlassen! Und bleibt es! Und bliebe es auch, wenn ihr anständig und bescheiden euer Anliegen vorgebracht hättet! Er hat unsere Ordnung verletzt. Gilt euch diese Ordnung nichts und nichts euer verpfändetes Wort? Wenn ihr frei und unabhängig sein wollt, müßt ihr die Gesetze achten, die ihr beschworen habt und dürft nicht jene schützen, die sie böswillig brechen. Erst durch die Ungerechtigkeit werden wir unfrei!“
„Ich hab’ nicht Nachtwächter sein wollen, weil ich ein gelernter Weber bin! Ist das ein Verbrechen?“ rief Sanders spöttisch.
„Ich fordere Sie nochmals auf, die Ordnung zu achten und die Fabrik sofort zu verlassen!“
„Und wenn ich’s nicht tu’?“
„Dann jagt ihn der Volksbeglücker hinaus!“ höhnte Karus. „Schöne Volksbeglückung das! Wie ein ausgedienter Gaul wird er vor die Tür gesetzt!“