„Du Schuft!“ rief der alte Kesselwärter und drang mit geschwungener Faust auf Karus ein. Der fing den Schlag auf und sagte kalt: „Ruhig, Alter! Gleich ist’s vorüber!“

„Wessen klagt ihr mich an?“ fragte Hellwig.

„Er darf nicht reden! Nieder mit dem Tyrannen!“ schrie Mark im Hintertreffen. Aber nun Hellwig wieder mitten unter ihnen war, nun sie die vertrauten Züge wieder dicht vor sich sahen, die Lippen, die so oft gütige Worte zu ihnen gesprochen, die Augen, die so oft heiter und frei und immer ohne Falsch auf sie gesehen, da trauten sie sich nicht recht vor, und nur dumpfes Murren folgte dem gellenden Auftakt Marks.

„Wessen klagt ihr mich an?“

„Wir lassen uns die Freiheit nicht rauben! Wir sind keine Sklaven!“ grollten sie und schauten mit scheuen Blicken an seinen leuchtenden Augen vorbei und schüttelten die Fäuste nur verstohlen.

Fritz aber stand da, wie ein Träumender stand er da und schaute in eine leere Ferne hinaus, einem zerfließenden Trugbild nach. Und während es sich langsam auflöste und zerrann, stieg langsam und immer klarer und schärfer eine neue Erkenntnis vor ihm auf. Sein Blick war starr und visionär, mit fremder, müder Stimme fing er an zu sprechen und es war, als holte er die Worte aus einem tiefen Brunnen herauf:

„Ich euch die Freiheit rauben? Brüder, wie kann ich euch etwas rauben, was niemals ein Menschengut gewesen ist? In schweren Ketten keuchen wir, das Schicksal hat sie uns auferlegt und wir zerbrechen sie nimmermehr. Aber das Tragen wollte ich euch leichter machen. Daß wir Schulter an Schulter die Ketten schleppen und sie uns nicht zu tief ins Fleisch schneiden. Ihr aber ... erhebt euch wider mich mit geballten Fäusten, Unmögliches verlangend, nie Erreichbares heischend. Ihr könnt ja nicht anders, seit heute, seit jetzt weiß ich es. Denn daß wir die Ketten stets aufs neue fühlen müssen, sobald sie uns nur ein bißchen leichter wurden, immer wieder schwer und drückend fühlen müssen, ist Menschenlos — ist ewiger Menschenfluch ...“

Die Stimme brach ihm. Unschlüssig standen die Leute. Karus aber, enttäuscht und zornig über diese Resignation, riß sein Beil aus dem Gürtel.

„Gelatsch! Gelatsch! Und geht’s nicht anders, zerreißt die Ketten, zerbrecht die Fesseln, zerschlagt den Kerker! Dann habt ihr die Freiheit! Die Freiheit ist da!“

Und: „Freiheit! Freiheit! Zerschlagt den Kerker! Wir wollen keine Ketten! Wir sind keine Knechte!“ schrien sie toll, jauchzend, außer Rand und Ufer.