„Da unten liegt die schöne reiche Erde, die unser aller Mutter ist. Da unten schläft auf Garbenbündeln die Fruchtbarkeit, biegen sich die Äste fruchtschwer und segenbeladen.

Unsere Mutter ist so schön und so reich. Aber ihr, die ihr Kinder dieser Mutter seid ... schaut dort hinab, wo die Essen ragen und die Aschenhaufen rauchen! ... ihr, die ihr dort unten in den finsteren Schächten, fern dem Licht, in der heißen, staubigen Luft, in den engen, stickigen Gängen schweißtriefend die Karren schiebt und halbnackt die Hauen schwingt beim bleichen Flackern der Grubenlampen — eure Lungen keuchen, eure Lippen sind zerrissen und wund, eure Augen haben rote Ränder — ihr armen Kinder dieser reichen Erde wißt nichts von der Schönheit eurer Mutter!

Wenn noch die Nacht auf den Bergen träumt, müßt ihr Abschied nehmen von Weib und Kind, jeden Tag Abschied fürs Leben, denn dort unten lauert die Gefahr, kauert der Tod — und eure Lieben wissen nicht, ob sie euch lebend wiedersehen.

‚Wer weiß, wie nahe mir mein Ende?

Ein Grubenlicht, ein Lebenslicht,

Ein Tropfen löscht es gar behende —

Ein Grubenlicht — ein Totenlicht!‘

sagt euer alter Bergmannsspruch. Und Tag für Tag müßt ihr hinab in die heiße, dunkle Tiefe. Und erst wenn der Tag zum Sterben kommt, wenn die Nacht wieder auf den Bergen träumt, dann kommt ihr — vielleicht! — hervor aus der dunklen, heißen Tiefe und eure Augen sehen die Sonne nicht mehr. Tag für Tag. Und keinen Tag seht ihr den Quell alles Lebens, die Sonne.

Was habt ihr getan, um so gestraft zu werden?

Wolltet ihr Umsturz und Revolte? Den Untergang des Reiches? Den Tod des Herrschers?