Irgendein gestörtes Fühlen weckte den Doktor aus seinen aufjammernden Gedanken, — er fuhr herum. Die Türe hinter ihm ging zögernd auf, dann stand, leichenblaß vor Erregung, Bertel Stainer, der Student, in der Türe. Er war entsetzt, daß der unheimliche Doktor, so mäuschenleise er die Pforte zur Bibliothek geöffnet hatte, seine grauen Augen geradezu nach ihr hinbohrte, ehe sie aufgegangen sein konnte und er blieb stehen wie ein Kind, dem übel wird.

„Ich hab’ Euch gefühlt,“ sagte Faust. „Kommt immer heran. Was wollt Ihr?“

Der Ton seiner Stimme war ruhig und traurig; beinahe gerührt. Da gewann der Student einen mächtigen Mut, stürzte zu Fausto hin und wollte sich auf die Knie werfen: Der Doktor wehrte es ab.

„Doktor, Doktor Johannes Fauste,“ rief er dem Manne, der eben selber so hilflos mit dem Leben abgerechnet hatte, zu: „Ihr allein auf der ganzen weiten Erden könnt mir helfen und mich glücklich machen!“


Es weilte damals auch das absonderlich schöne Mädchen in Salzburg, welches eine weitschichtige Base zu Bertel Stainern war. Sie hieß Helena und war des griechischen Kaufmannes Tochter, der alle Lieferungen für die Innsbrucker Hofhaltung des seligen Kaisers Max besorgt hatte und jetzt, als ein reicher Mann, für Karl den Fünften und den römischen König Ferdinand Geldgeschäfte trug. Zu der war an jenem Tag, sehr geistesabwesend, der junge Stainer gekommen und frug nach dem Vater. Dann, als Helena dem Vetter gesagt hatte, daß der zum römischen Könige gefahren wäre, ließ er sich niedersinken.

„Ich wollte auch gar nicht nach dem Oheim fragen.“

„Was führt dich also her, Vetter?“ sagte das Mädchen beunruhigt.