„Das ist böse,“ sagte Faust nachdenklich. „Fette und Urin könnte man fernhalten und alles was Harz heißt. Aber Staub?“

„Ihr sollt gleich zum Bischof kommen,“ sagte Theophrastus. „Er hat aus Kanonengut eine Bomben gießen lassen, größer als der dickste Kürbis und mit einem winzigen Schraubengang in die Mitten hinein, wie Ihr vorgeschlagen habt, so daß man ein einziges Tröpfl des Öles hineingehen lassen und alles dann bis außen mit einer langen Schrauben zuschließen kann.“

„Ist die Bomben wohl gut in die Erden verbettet?“ fragte Faust.

„Glaubt Ihr denn, das winzige Tröpfel werde soviel allerbestes und zähestes Material auseinandertreiben können?“ erwiderte Paracelsus verwundert.

„Wenn das wär’, dann könnt man ja die ganze Erden damit zerreißen!“

Faust blickte jähe nach dem Arzte hin, aber der stand gelassen und vollkommen nachdenklich neben ihm. Da schwieg auch er. Aber er rechnete: Am einundzwanzigsten Juni, da ich mit den Landsknechten nach Italien kam im Siebenundzwanzigerjahr, da hat die Sonn’ in den berühmten Brunnen zu Sizilien dreihundertundzwei Klafter tief hineingeschienen. Am selbigen Tage zwei Jahr nachher in Gotland — ja ja: ich hab’s ganz klar derrechnet: Die Erden hat fünftausend und etlich hundert Meilen rundumher und fünfzig Millionen Klafter querdurch gemessen. Ich nehm an, daß die harte Rinden den zweihundertsten Teil mag betragen, ehedenn das flüssige Feuer anhebt, wie ichs bei Neapel und Catania herausquillen hab’ sehen. Der Bischof hat mir eine Riesenbombe gießen lassen, deren Rinden darf nur ein Zweihundertteil sein, vom Durchmesser. Dann bohr ich ein Löchl, nur ein Tausendstel so tief wie die Rinden und tu ein staubkorngroß des Öles daran. Zerreißt es das ganze Eisen, gut. Dann mag es auch im gleichen Verhältnis Bergstein und Erden auseinandertun auf Nimmerwieder, wann ich das Millionenfache in die allertiefste von allen Höhlen bring, die mir der Bischof angedeut.


Erzbischof Ernst saß erregt zwischen den beiden Gelehrten. Seine fahle Gesichtshaut war gerötet, sein langer Bart zitterte.

„Nimmer hätt’ ich vermeint,“ sagte er, „daß solch ein Nichts, so ein Zehntel Tröpflein, den ungeheuerlichen Erzkloben würd’ in Trümmer zerreißen. Da grauet einem! Aber jetzt gebt mir, wie Ihr versprochen habt, das Rezept preis, Faust. Ich wills Euch ebenso lohnen, wie ich es zugesagt. Aber niemand, außer des römischen Königs und des deutschen Kaisers Majestäten und wir allein, darf das Geheimnis wissen; das schwört Ihr mir unter Preisgab’ Eures Lebens!“