„Zum dritten ist bekannt, daß man solches Gold aus dem trächtigen Kiesel mit Zuhilfenahm’ der Glasmacherseifen, oder, wie man auch sagt, des Braunsteines scheidet.“
„Ah,“ rief der Erzbischof erratend.
„Nun weiß hier mein gnädiger Gönner, der hochwürdigste Fürst der Kirche, daß in dem Eurer römisch königlichen Majestät erb- und eigengehörigen Lande Tirol eine Kluft tief in die Erden gehet; da kömmt ein geringerer, goldhältiger Quarz neben dem Porphyr vor und ist zusamt vielem Braunsteine in diese so erschrecklich tiefe Kluft hinuntergestürzt, daß meines gnädigen Bischofs Hochwürdigkeit sogar Zweifel ausgesprochen hat, ob sie nicht gar bis ganz nahe ans ewige und höllische Feuer heranginge.“
„Ich hab’ von dieser Kluft gehört,“ sagte König Ferdinand.
„Nun haben wir das Gewaltöl; und können wir davon erzeugen so viel, daß diese Kluft unten gar ausgefüllt werden könnt’, da würde, wenn man es mit einem Fett oder Terpentin zur explosio brächte, in dem Porphyrgestein eine solche Gewalt der Pressung entstehen, daß der Quarz, der seit Anbeginn der Schöpfung dort noch nie unter ähnlichem Druck gestanden hat, sich verfinge und ummodulierte und das in ihm eingeheimnißte Gold ganz und gar herausgäb, unterstützt von dem schmelzenden Braunstein.“
„Das könnt sein, das könnt ja sein!“ rief der von Salzburg, und sogar Paracelsus nickte verwundert: „Ich sag’ nicht nein.“
„So kommet denn, beide Herrn Doktores, zu gelegener Zeit, die wir euch wissen lassen werden, gegen Innsbruck,“ sagte der Kaiser und erhob sich. „Zwei solche Köpfe, der heiße des Faustus und der kühle des Paracelsus, die werden’s vielleicht wohl zwingen.“
„Ihr seid mit solcher Mitarbeiterschaft wohl zufrieden, Faust?“ fragte der Erzbischof, und Faust erwiderte mit tiefer Reverenz gegen den Paracelsus: „Es ist mir eine Erleichterung und eine freudige Hoffnung dazu! Denn mit solchem Collaboranten zur Seite muß es gelingen!“
Jetzt lächelte sogar der schwermütige Paracelsus, der eitel und darum leicht geschmeichelt war, und mit Ehren, wie man sie sonst nur großen Herrn erwies, wurden die beiden Doktores entlassen. Draußen drückte der Paracelsus dem Faust die Hand.
„Ich hab’ Euch in meinem Innern Unrecht getan,“ sagte er. „Aber jetzt bitt’ ich Euch das ab, dank Euch und vermein, es werd’ uns endlich Lohn und Segen werden; beiden, auf unsere alten Tag’. Wenn das Wunder gelingt. — Ich bin mancher Praktiken dazu kundig und will Euren Gedanken, nachdem wir die Stell’ besehen, verbessern und ausarbeiten, was und so gut ich’s vermag.“