„He! Wer soll mich denn dann sicherer und besser bezahlen?“ fragte die krummbeinige Bestie. „Ihr könnt ja auch immer noch einen entlohnen, der mich aus dem Hinterhalt niederschießt. Denn mir von vorn entgegenkommen? Das hat noch jeden gereut. Wenn ich ihm Zeit dazu gelassen,“ schloß er.
„Dann stimmt die Rechnung,“ hatte der Chrysoloras gesagt und den Troßbuben in seine Dienste genommen. Jeder entsetzte sich darob, aber dem ohnemaßen kühlen Geldmenschen gefiel er gut, wennschon er mit ihm zeitlebens nicht hundert Worte geredet hat und sicherlich keines zuviel. Es schien, als lächelte der Chrysoloras, daß er sich das größte Frechheitsexemplar der damaligen Zeit zinsbar und zu Diensten gemacht hätte. Soviel über den Vater der Helena.
Sie selber war, seit man sie kannte, wunderlich; sie weinte viel und man sagte, daß in ihrem Blut die Melancholie erblich wäre. Ein Vetter von ihr, der sie inniglich geliebt, den sie aber freundlich abgewiesen, hatte schon als junger Student die heilige Schrift völlig und ohn’ alle Rücksicht ergründen wollen, hatte sogar bei Juden Unterricht dazu genommen, war darüber schwermütig geworden. Er hätte sich erhenkt, wenn die Base ihn nicht abgeschnitten und ihn nach Salzburg gebracht hätte, wo damals der berühmte Theophrast Paracelsus seinen Wissensdurst wohl stillen konnte und wohin auch mehrmals der Doktor Faustus kam, mit dem dann der Student und Helena gar vertraute Kundschaft hatten. Der Bursch soll davon ein erschreckliches und elendigliches Ende genommen haben und das Fräulein ist dem Trübsinn gänzlich verfallen.
Sie sah sodann, eine Gealterte, keinen Menschen mehr recht an, ging an allen vorbei wie ein Rauch. Nur Kinder liebte sie und holte sich solche immer wieder herzu. Aber das kleine Volk, so viel es auch von dem adligen Stiftsfräulein beschenkt wurde, fürchtete und mied sie. Zuerst wegen der tuschelnden Nachrede mit dem Zauberer Faustus. Dann aber hatten sie Angst, weil das Fräulein ihnen oft ein grusliges Volkslied von einem buckligen Männchen vorsang, das immerzu dastände, wenn und wo ein Menschenkind einmal so recht allein wäre. Hinter der Stiegen, in der Speisekammer, bei der Mehltruhen. Sogar am Bette, wenn man zu Abend beten wollte. Immer stand gleich das bucklig Männlein dabei, —
— „fängt als’ an, zu beten:
Liebes Kindlein, ach, ich bitt,
Bet’ fürs bucklig Männlein mit.“
Die Helena hat sich dann ganz an die Väter von der Gesellschaft Jesu angeschlossen und soll im Geruch der Heiligkeit gestorben sein.
Das zuvor, ehe von der besagten Helena Chrysoloras und dem Faust näherer Bescheid ergehen soll, der damals nach Salzburg gekommen war, niemand wußte warum. Nur die versoffenen Studenten scherzten, er hätte durch seine Kunst dort des Bischofs halben Keller ausgesogen und mit ihnen verzecht. Mit dem Kellermeister, der sie zu unguter Stund erwischte, wäre er auf eine hohe Tanne am Untersberg geflogen und hätte ihn dort im Wipfel alleingelassen, wie ja auch das alte Volksbuch zu berichten weiß.
Nun aber zum endlichen Bericht.