Es muß dies erzählt sein, um das Verwunderliche zu begreifen, daß Faust auch die Anschläge der Salzburger Doktors ahnte. (Oder wußte, wie mans haben will.) Die einen sagten, er hätte einen kleinen Geist in einem Kristall eingebannt bei sich, der ihm, durch ein Sieb hindurch, vorzitterte, was im selben Augenblick da oder dort geschähe, von wo immer Faust Kundschaft haben wollte. Der Doktor selber hatte davon geredet, wie es mit jenen Bildern im Sieb genau so wäre, als ob heiße Luft über einem Schornstein oder über sommerlichen Feldern zittere, so daß alles, was dahinter geschähe, fortwährend hin und her- und ineinander ränne; auch wäre es schon eine große Aufregung und Herzensangst, also bis in die Sphären der niederen Geister zu sehen und zu vernehmen; wollte man jedoch in jene der befreiteren aufsteigen, dann habe man jeden Augenblick zu gewärtigen, vor namenlosem Entsetzen tot hinzufallen.

So viel von jenem Siebdrehen und dem gebannten Geistlein im Kristall. Und genug, Faust wußte; ob aus Schwarzkunst, ob aus Schlauheit, ob aus Ahnungskraft? Er träumte auch in Nächten, wenn zuvor Intriguen gegen ihn gerichtet und großer Haß aufgelaufen war, ungemein hart und qualvoll davon. Faust also wußte, was die Salzburger Doktors vorhatten und überlegte, ob er sich mit dem Paracelsus gegen sie, oder mit ihnen gegen den Paracelsus zusammenschlagen sollte, um eine der Parteien zu schädigen.

Das also war, was der Doktor Faust auf der Rückreise von Braunau nach Salzburg wälzte und plante. Nun auch zum Paracelsus.

Der überlegte lange und klüglich, was der Faust von der Goldmacherei im Großen gesagt hatte. Er, Paracelsus, war trotz allem Forschen niemals zum gerechten und klaren System der Goldbereitung gekommen, sondern ihm war, gerade bei aller alten, rezeptuellen Systematik, beinahe immer mißlungen, auch nur das kleinste Pröbchen Edelmetall zu erzwingen. Dagegen waren ihm bei ganz wilden und zufallsreichen Versuchen sowohl Lösungen geraten, aus denen allerfeinstes, graugrünes Goldpulver sich niedergeschlagen hatte, ja manchmal war ihm sogar im Feuer die gelbe Sündenmutter der Menschheit entgegengeschmolzen. Wie der Faust gesagt hatte, nur unter großer Hitze und bei gewaltiger Pressung gediehe das Ding, war das auch ihm stetiglich aufgefallen. Aber nun überlegte er, daß unter ihnen beiden denn doch er, Paracelsus, der weitaus klarere Kopf wäre. Wenn es irgendwo in der Natur und ihren Welten etwas zu erforschen und dann zu formulieren gäbe, da war der Faust weithin nicht zu gebrauchen! Der erschauerte. Seine Ahnungen entstanden, wenn der Geist ihn anpackte, so wie ein Nordlicht entsteht. Alles war ihm unbewußt geschenkt; — nichts war erworben.

Sonderbar auch: wenn der Faust dämonisch wurde und Sprüche tat, als wären sie von einem höheren Geiste gesagt, so daß der Paracelsus selber aufstaunen mußte und ausrief: „Ja, ja!“ dann sah er’s oft, daß des kleinen Magiers ergrauendes Haar sich gesträubt hatte, wie das eines Hundes, der sich entsetzlich fürchtet. Oder wie das Haar eines Katzenfelles, das man mit einem Bernstein- oder Glasstabe überfährt. Irgend eine Kraft wohnte im Fausto; aber es war weder eine bewußte, noch eine logisch verfolgte. In Summa, der Faust konnte kaum ganz oder auch nur halb hinter jenes ewig gaukelnde und sich verhütende System geraten sein, wie man das rote Gold erzwingt!

Freilich, ein Nachdenkenswertes hatte der große Zufall, daß die Natur an jener Stelle Glasmacherseife und goldhaltigen Quarz (obgleich Porphyrquarz sonst nie Gold zu erzeugen schien) in solch engem Höhlenschrund zusammengestürzt hatte. Es war vielleicht nur ein kühner, verwegener Einfall Faustens, auf Grad und Ungrad das zu benützen und ungeheuer viel von dem Öl zu erzeugen, welches aus nichts anderm, als aus dem Unatembaren der Luft und aus dem Scharfen des Salzes bestand, wie Paracelsus festgestellt zu haben glaubte. —

Und der Gelehrte mit den schwermütigen und argwöhnischen Augen grübelte, ob da nur eine großartige Alfanzerei des Faust, oder eine dämonische Ahnung riesigen Gelingens, oder gar ein aufgetanes Wissen dahinterstecken könnte ...

Es war ihm doch ein gar zu abenteuerliches Unternehmen. Groß genug, um Kaiser und Reich, zunebst tausend Mann Bergknappen, die einen in schwere Unkosten, und die andern außer Atem zu setzen! So daß es, wenn es mißlang, dem Fausto einen flittervergoldeten Alchymistengalgen eintragen kunnt!

Und er wollte und wagte es dennoch. — Seltsam.