Ein namenloser Zorn und eine abergläubische Angst wühlte also in den Widersachern und oft sehr rohen und dummen Mitbewerbern des Paracelsus um ärztliche oder alchymische Kunst. Aber erst jetzt, nach drei Jahren ohnmächtigen Grimmes, schien die Stunde gekommen.
Beide Männer waren gewaltig eitel und prahlerisch gewesen: das nun mußte unter dem Einfluß des Weines wieder angefacht werden. Dann konnte man sie gegeneinander stellen.
Dazu kam noch ein Böses.
Faust und Paracelsus waren einmal am Abend zusammen, und, noch gänzlich in Frieden, aus dem Laboratorium des Arztes gegangen, wo ihnen Sympert Stainer assistieren gedurft hatte. Aber die beiden Männer hatten bei der ungeheuren Hitze des späten Septembertages erst Salzburger Bier, dann eisgekühlten Klaret getrunken und waren jetzt scharf und reizbar geworden.
So kam es zu einem Wortwechsel, den der Schüler zu belauschen vermochte.
„Ihr kommt ja doch nicht weiter,“ hatte Faust ärgerlich gesagt, weil sich das Geheimmittel wieder einmal mit furchtbarer Heftigkeit zersetzt hatte, ohne daß jemand an die Phiole gerührt hätte, die im Felsenkeller am Stein zur Beobachtung stand. Der ganze Felsen war nächtens von der Explosion bis hoch hinauf an den Franziskanerberg aufgerissen worden, obwohl nur ganz wenige Quentchen des Satanöles dort verwahrt gewesen waren.
„Ja mein Gelahrtester,“ hatte drauf Paracelsus erwidert: „Jahrelang, wie Malvasier, und in einem Faßkeller, läßt sich das Salzsticköl (er nannte es so) nicht bewahren und wenn Ihr etwan vermessentlich meint, unseres Herrgotts Erdkugel damit auseinander zu treiben, dann hat’s noch gute Weg’ damit!“
Es war ein Glück, daß der scheue Arzt dabei mißgünstig abseits und zu Boden schauen mußte, als ängste er sich selber über die Wirkung dieses Wortes; denn Faust war aschengrau geworden über das ganze Gesicht. So angreifend war dieses plötzliche Entfärben, daß der junge Scholar, in jähem Erkennen und Entsetzen, alles erriet und selber gelb wie Käse wurde, als er Faustens Verfärbung bemerkte, die ja schnell wich.
Aber in die Wangen des jungen Menschen kam lange Zeit keine Farbe wieder, Faust selber bemerkte das recht wohl.
Ruhig sagte er: „Ich hoff’ auch, die Welt erst zu meinem seligen oder unseligen End’ auseinander zu sprengen. Und daß das recht weit hinausgeschoben sein mög’, des werd’ ich mich gar wohl zu versichern trachten.“