Mit Zweifeln und Verzweiflungen sich umherschlagend, ging der junge Mensch, der sich in den Todesgedanken so merkwürdig verstrickt hatte, nach Hause.

Faust oben blieb allein und unbehelligt.

Er stand immer noch vor seinem hingeworfenen, roten Mantel und trug beinahe selber Scheu, das greulich zum Leben erweckte schwarze Rund wieder zu enthüllen; — so, in einsamer Nacht. Endlich riß er doch die Schaube fort und lachte kurz und krämpfig auf. Ihm tat es nichts. Er wischte die Kohle weg, die für den Meister nichts als Kohle war, so leicht, wie der loseste Spinnweb. Überall flog sie nichtig umher, als er sie zerstäubte. Dann ging Faust in der Stube hin und wider.

„So hab’ ich sie! Jaha, so hab’ ich sie: Das ewige, versteckte Mütterchen! Ich soll den Affentanz mittun, weiterführen und teilhaben an dem Spottgewimmel; jaha! Und wenn mein Sohn Kaiser würde:

„Was ist mir, Fausto, der Kaiser? Ein allen voraustanzend’ arm’ Prunkäfflein; immer auf sein eigen Spiel bedacht. Demütig Dienst und Erkenntnis seines Amts hat er nicht in sieben Tagen seines Lebens. Und dann hat er dumme und rohe Einflüsterer dazu. Nein, mein Sohn wär mir zu gut, um Kaiser zu werden. Und was würd’ er dann sonst? Wie ekelfett sind diese Herzen von Vätern, die ihre eigene Brut mit andächtiger Liebe salben, bloß weil sie, in ihrer verdeckten Eitelkeit, vermeinen, die wären von ihnen!

„Wer ist denn seines Vaters? Das Hurenkind deiner Frau ist nur um einen einzigen Menschen ferner von dir, als dein eigenes. Gegen Myriaden, die ehemaligen Blutes sind, stehst du ihm allein gegenüber! Da saß eine Großtant’ auf ihrem Gelde, fest, blaß und neidisch, mit kaltem Blick und stumpfen Augen, wie eine kranke Kröte. Dein Kind kriegt von ihr die latente Habsucht! Da schnupperte ein heimlicher Hurer den verschlamptesten Frauenzimmern nach, während dir selber gerad eine einzige Liebe im Leben genügt hätte, die aber übergroß, und zu der Besten und Schönsten! Deine Tochter aber kriegt seine schmutzige Hundegier! Nein, ich lass’ weder mich, noch die andern Menschen mehr an den ewigen Sautrog heranzerren.“

Er schritt wieder auf und ab, dann blieb er stehen:

„Und kämpfte ich vergebens gegen ihn, der sich des Symbols der Erden, des lechzenden Weibes, bedient, um Liebe zu heucheln, die nur Eigenliebe ist? Gegen die Weiber soll ja Eisen und Feuer vergebens sein! Und kämpfte ich vergebens, — ich, der eine? Gibts was Schöneres, als der Einzige sein, gegen alle?!

O du, o du, o du!“ Und der ergrauende Mann mit den Irrlichtaugen schüttelte die Faust gegen den Himmel. Dann lachte er, sagte: „Da ist er ja gar nicht, Narr.“ Und preßte die Faust gegen seine Brust.