„Das Halsband! Zu Feuer! Zu magnetischer Luft!“

„Mein Halsband! Mein schönes Halsband?“

„Denken Sie sich, Madame: Was die Wissenschaft bisher noch gar nicht ahnte: daß der Diamant nicht schmelzbar wäre, das habe ich, ich entdeckt. Flüchtig ist er! Flüchtig! Haben Sie einen Brillantbouton? Geben Sie her. Begeben wir uns in unser Laboratorium.“

In dem kleinen Zimmer, das Madame dem Chemiker eingerichtet hatte, bewies Bouffler der unglücklichen Reinezabelle, daß der Diamant unter dem Brennspiegel vollständig verlodere. Herr Bouffler wollte in seinem Experimenteifer auch noch Madames andern Ohrknopf verbrennen, aber sie weinte sehr und gab ihn nicht mehr her.

„Trösten Sie sich, Verehrte,“ sagte ihr der Chemiker. „Ihr Halsband ist ebensogut dem Äther zugeschwebt, wie es etwa der Seele Ihres Herrn Gemahls oder der meinen in jedem Augenblick ähnlich widerfahren kann. Das sind Erscheinungen dieser armseligen Zeitlichkeit ...“

„Armselig?“ rief die schwergeprüfte Reinezabelle. „Es kostete zehntausend Franks!“

„... aber Sie haben sich die Ewigkeit damit erkauft — Madame,“ fuhr Bouffler unbeirrt fort. „Ich werde der Akademie der Wissenschaften berichten, daß ich durch Ihre Munifizenz die weltbewegende Entdeckung machen und den Beweis erbringen konnte, daß der Diamant verbrennlich ist, und ich werde vorschlagen, daß man diese seltene und kostbare Art der Verflüchtigung für ewige Zeiten ‚vermillionisieren’ nennen solle.“

Meine gütige, junge Herrin lächelte schon wieder ein wenig.

„Sie haben recht,“ sagte sie. „‚Reinezabellisieren’ klänge lange nicht so gut.“