Am Abend des zweiten Tages saß Otten allein im dämmerigen Zimmer, als Carmen von einem Ausgang zurückkehrte und ins Zimmer trat.

»Hallo, Kleine.«

»Gott, wie du mich erschreckt hast! Bist du es, Vater?«

»Du hast wohl ein schlechtes Gewissen? Komm doch mal näher.«

»Du kannst mich ja doch kaum sehen. Es ist ja beinah’ dunkel.«

»So, damit rechnest du also. Aber ich werde es machen wie der alte König, der eine junge Frau genommen hatte und dem verliebten Pagen nachlief, den er vor ihrer Tür betraf.«

»Das ist lustig.«

»Das ist sehr traurig, aber ich will es dir doch erzählen, damit du einsiehst, daß es ein Vertuschen nicht gibt. Als der verliebte Junge vor seinem Verfolger in den Schlafsaal entwischt war und sich zwischen den anderen Pagen schlafend stellte, ging der alte, weise König von einem zum andern und legte jedem die Hand aufs Herz. Und siehe da, ein Herz schlug ganz ungestüm. ›Hab’ ich dich?‹ sagte der alte, weise König und nahm das Herzchen beim Ohr.«

»Au, Vater.«

»Au, mein Herzchen, laß es dir eine Lehre sein. Die alten, weisen Könige leben noch.«