Auch Frau Maria gratulierte herzlich. »Und wohin soll es nun gehen, Moritz?«

»Nach Bonn, Frau Doktor.«

»Nach Bonn — —,« wiederholte Otten. Und noch einmal leiser: »nach Bonn — —. Junge, Junge, wie sich das ausspricht. Was das für musikalische Worte sind. Die ganze Stube ist plötzlich wie mit Maienluft gefüllt. Ich seh’ den Alten Zoll, und ich selber lehne oben an der Mauer, ein Dutzend bunte Mützen um mich her, und wir singen den Vater Rhein an und das Siebengebirge in seiner versunkenen Romantik, und kein Mensch wüßte zu sagen, sind wir voll der süßen Jugend oder des süßen Weines. Das ist ja eins, das ist ja einerlei! Wichtiger ist, daß noch immer die Linden duften ›beim Ännchen‹ zu Godesberg, Lindenwirtin du junge! Moritz, das ist mir im Leben noch nicht vorgekommen: heute beneide ich einen Menschen.«

»Ich will Geschichte studieren, Herr Doktor.«

»Gut, daß du Vorsätze hast. Aber was du studierst, ist einstweilen schnuppe. Daß du studierst, daß du! Und daß du in Bonn studierst.«

»Nun freue ich mich erst wirklich, Herr Doktor. Mit Ihnen hätt’ ich in Bonn studieren mögen.«

»Wünsch dir das nicht, mein Junge. Nur der winkende Tag hat seinen Wert. Du wärst heute höchstens wie ich — um ein Menschenalter unvernünftiger.«

»Nein, Herr Doktor, statt des winkenden Tags hätte ich die Fülle der Tage. Sie haben sie in Besitz genommen.«

»Komm ins Freie. Wir wollen einen Bummel machen. Es ist noch zu früh, um einen Trunk zu tun, aber wir werden irgendwo nachher den mulus begießen.«

»Wollen Sie Carmen von mir grüßen, Frau Doktor?«