»Ich wußte gar nicht, daß mein Mann eine Einladung angenommen hatte. Aber ich gehe so wenig aus, daß es wirklich keiner Entschuldigung Ihrerseits bedarf.«

»Die Einladung angenommen? Nein, Sie irren. Er hat sie ziemlich kurzgefaßt abgelehnt. Und deshalb sehen Sie mich hier. Ich hatte mir eine so hübsche Überraschung ausgedacht. Ich wünschte mit Herrn Doktor Otten als wanderndes Sängerpaar aufzutreten, als Harfner und Mignon. Es ist ein kleines Kostümfest, und nun macht Ihr zürnender Gatte einen Strich durch die schöne Rechnung.«

»Nein,« sagte Frau Maria, »wie sollte er Ihnen zürnen? Er ist kaum eine Woche von einer mehrjährigen Kunstreise zurück und wird sich noch etwas müde fühlen.«

»Von Ermüdung habe ich am ersten Abend nicht viel an ihm bemerkt. Das spricht die sorgende Hausfrau.«

»Er war bereits bei Ihnen?« fragte Frau Maria freundlich.

»Am Abend seiner Ankunft. Und das hat er verschwiegen? Das ist so recht Männerart.«

»Ich bin nicht neugierig,« sagte Frau Maria lächelnd.

Frau Amely Lüttgen stutzte. Ihre klugen, grauen Augen hafteten an den ruhigen Zügen der Frau, die sich so leidenschaftslos zu geben wußte.

»Das versteh’ ich nicht,« sagte sie. »Oder aber — wir müßten dieselbe Tugend vom Mann verlangen können.«

»Nicht neugierig zu sein? Damit hätten wir doch nichts gewonnen.«