»Des Kindes!«

»Sie sehen, bei dem Wort stockt schon unser Eifer. Im Grunde ist es doch ein ganz einfaches Exempel, wenn wir wollen.«

Das ruhige Gleichmaß in der Frau reizte die Besucherin, das Thema noch nicht fallen zu lassen. »Sie sagten: das Kind. Gewiß, darin pflichte ich Ihnen bei. Das Kind ist heilig. Aber gerade darum müssen wir frei in der Wahl seines Vaters sein können.«

»Ich glaube nicht daran,« erwiderte Frau Maria, »daß das Kind in der Geburt heilig ist. Ich glaube aber daran, daß die Mutter es heilig machen kann. Durch ihr Beispiel. So weit das ausreicht. Die Erziehung macht den Menschen.«

»Demnach erscheint es Ihnen auch unfaßlich, daß sich eine Frau einem Manne gesellt, ohne — wie sage ich — ohne Formalität?«

Über Frau Marias Stirn zog sich eine feine Röte, die sich mehr und mehr vertiefte.

»Wie sollte mir das unfaßbar erscheinen? Aber man müßte den Mann so sehr lieben, daß man ihn auch — zu jeder Stunde heiraten würde.«

»Tut’s das wirklich?« fragte Frau Amely spöttisch.

»Ich sagte ›auch‹. Das bedeutet: man muß wissen, daß man verbunden ist, — so — oder so. Man muß wissen, daß man das, was man tat, aus einem großen, gewaltigen, wunderbaren Triebe heraus tat, und nicht aus Widerstandslosigkeit gegen sich selbst oder, umgekehrt, aus eitel Berechnung und Vernünftelei. Unsere Kinder haben Blut nötig, und das Blut kommt aus dem Herzen.«

»Solch ein Herz kann sich auch verbluten.«