»Verbluten wohl. Aber das Blut kann nicht wässerig werden, dadurch, daß man nach hierhin und dorthin abgibt. Das würde ein elendiges Menschengeschlechtlein werden.«
»Und an sich selbst, an Ihre eigenen Rechte denken Sie gar nicht?«
»Verzeihung,« sagte Frau Maria und erhob sich. Unten hatte die Türklingel angeschlagen. Carmen kam lustig aus der Messe.
»Meine Tochter Carmen,« präsentierte Frau Maria das Mädchen. Und Carmen knixte und reichte die Hand.
»Was für ein intelligentes Köpfchen,« sagte die Besucherin staunend. »Ich werde dich einmal in meinem Wagen abholen.«
»Ach ja — bitte.«
»Schau mal nach dem Vater aus, Kind. Er wird am Rhein entlang zurückkommen.«
Carmen stürmte hinaus.
»Und solch ein sprühendes Wesen soll nun in die alte Schablone gepreßt werden, nur weil’s das Herkommen so will?«
»Sie halten mich für rückständiger, als ich bin, gnädige Frau. Ich bin eine unbedingte Anhängerin der neuen Zeit, die von uns Frauen eine Erneuerung und Weiterbildung in allen Wissenschaften fordert, je nach der persönlichen Befähigung natürlich. Hat Carmen erst mit ihrem jetzigen Schulstudium abgeschlossen und hält ihre Befähigung stand, so wird sie den Gymnasialkursus absolvieren, der jetzt eingerichtet ist. Wir bleiben also nicht stehen, gnädige Frau.«