»Und in der neuen Ethik?«

Frau Maria lächelte vor sich hin. »Daß Sie daran so festhalten. An dem Worte ›neu‹. Sie bleibt ja doch dieselbe. Immer die, die wir für gut und schön halten, und immer die, die andere für gut und schön halten. Das wird sich niemals ändern. Nur, daß man bisher kein Wesen davon machte, wenn man die eigene für besonders schön hielt. Daraus wurde Poesie. Trägt man aber die Poesie auf den Markt, so muß wohl Marktgeschrei daraus werden. Deshalb sollte man die neue Ethik nicht immer so laut verkünden.«

Frau Amely zog die Augenbrauen hoch.

»Sei dem, wie ihm sei. Der Erfolg wird Recht sprechen. Aber jedenfalls,« und sie erhob sich rasch, »haben wir uns nicht über Dienstmädchensorgen und die billigsten Bezugsquellen unterhalten. Bei einem ersten Besuch! Wir sind also wirklich bildungsfähiger als die Männer, die über die Weinpreise noch nicht hinausgekommen wären.«

»Die armen Männer,« lachte Frau Maria belustigt.

»Wahrhaftig. Es sind arme Teufel. Und sie sollen es wissen.«

»Nehmen Sie meinen Mann aus.«

»Sie machen mich wirklich begierig, ihn näher kennen zu lernen. Er muß die Tugenden wie Orden auf der Brust tragen.«

»Kennen Sie nicht den starken Wahlspruch der Engländer, gnädige Frau? Right or wrong, my country? So denke ich über meinen Mann.«

»Ich hätte fast den Zweck meines Herkommens vergessen,« sagte Frau Amely. »Wollen Sie mir helfen, Ihren Mann umzustimmen? Und werden Sie mir ebenfalls die Freude machen?«