»Es ist sehr liebenswürdig von Ihnen, an mich zu denken. Aber ich kann mich des Abends nicht gut von meinem Kinde trennen. Wir leben so zurückgezogen, daß Carmen gerade am Abend ganz auf mich angewiesen ist.«
»So schicken Sie Ihren Mann allein. Sagen Sie ihm, daß ich darauf rechnete, daß er mir nicht die Harfner- und Mignon-Idee verdürbe. Ich würde mich als Mignon so entzückend wie möglich machen. Ganz allein ihm zuliebe. — Vielleicht hilft das.«
»Es wäre wenigstens die heftigste Beschwörung.«
»Adieu, gnädige Frau. Es war eine reizende Stunde bei Ihnen.«
»Adieu, gnädige Frau.«
»Sie werden jetzt öfter von mir hören. Das haben Sie nun davon.«
»Ich werde mich gern daran gewöhnen.« — —
Frau Amely schritt die Gasse hinunter und bog am Rheinufer ab. Frau Maria sah ihr vom Fenster aus nach.
»Das ist nicht nur Kleidereleganz,« sagte sie, »das ist vererbte Kultur.« Und sie bewunderte die feine Körperlinie und die Art des Gehens. »Körperkultur. Und die Gedanken werden davon abhängig gemacht. Das ist das Geheimnis.«
Sie kehrte sich langsam ab, um in die Küche zu gehen. Es wurde Zeit, die Anrichtung des Mittagsmahls zu übernehmen. Ihr Blick fiel in den Spiegel.