Moritz Lachner setzte sich. Er blickte lächelnd auf seinen Teller. — —
Als Joseph Otten mit seiner kleinen Truppe den Festsaal betrat, zog er sich die Kapuze seines Dominos fester über die Augen. Ein prickelnder Strom durchrann ihn, ein übermütiges Gefühl, jung sein zu dürfen, und ein Mutwille, es auch zu sein! Die Geigentöne fingen sich in seinem Ohr und ließen die Gedanken hüpfen, die schönen Gestalten der Frauen umgaukelten sein Auge, blitzartige Blicke aus Seidenlarven kreuzten sich und wirbelten das Blut hoch, und das Klingklang-Gloria der Becherfreuden läutete im Hintergrund von allen Tischen. Er gedachte schnell noch ein paar Verhaltungsmaßregeln zu geben, da huschte es schon wie eine rote Flamme an ihm vorüber, ein roter Teufel und ein roter Domino, Walzertakte, Viola, Baß und Geigen, Gesang, Gelächter und Sprachenverwirrung.
»Punkt zwölf Uhr an dieser Tür, Moritz. Wenn wir uns verfehlen, direkt nach Hause!«
Der schwarze Domino neben ihm glitt stumm von dannen.
»Dieser köstliche Lärm macht betrunken,« dachte Otten, »diese Farben, diese gelösten Glieder und Sinne.«
Eine Mädchenschar umzingelte ihn. Tirolerinnen, Zigeunerinnen, Schulmädchen in kurzen Röckchen und langen Seidenstrümpfen, Tafel, Schwamm und klappernde Griffelbüchse an der Seite. Sie sangen ihm das alte Liedchen in die Ohren, das er im Kreis der Gespielen als Kind auf der Gasse gesungen hatte, das Liedchen von
»Bloh, bloh Fingerhot,
Hätte mer jet, dat wär wal got,
Blumen alle Tage — —«
Und die Jahre waren nicht gewesen, er spielte als ausgelassenes Kind im Mädchenkreis auf der Gasse, die Wechselstrophen fanden sich mühelos ein, und er sang zurück: