Bevor ich dein Antlitz gesehen.«
Und die Frau am Flügel bog den Kopf nach hinten, daß sie dem Mann von unten in die Augen sah, und wiederholte: »Bevor — ich — dein — Antlitz — gesehen.«
Der Mummenschanz war zu Ende. Die heraufbeschworenen Gestalten verkrochen sich in den Ecken. Sie waren allein und in der Wirklichkeit.
»Brechen wir ab,« sagte Otten und trat zurück. Mit Flasche und Gläsern klingelnd kam der Hausherr durch das Nebenzimmer. Frau Amely klappte den Deckel zu und wandte sich auf dem Drehstuhl zu den Herren. »Ist das der rechte Ort?«
»Wenn du es wünschest, konzentrier’ ich mich schleunigst wieder rückwärts.«
»Nein,« bestimmte sie, »das hieße die Stimmung zerreißen. Heute ist alles erlaubt. Die Herzogin — ist zufrieden.«
»Mein Kompliment,« lachte Lüttgen, verbeugte sich gegen den Freund und entkorkte die Flasche. »Nun wollte ich nur, du besuchtest uns im Frühling in Godesberg.« Er schenkte den Wein in die Gläser. »Vielleicht hat meine Frau in ihrem Hofstaat einen Ministerposten frei. Die Gesichter möchte ich sehen. Prosit.«
»Du würdest dich über die Gesichter nicht lange amüsieren können, Lüttgen. Denn kraft meines Kanzleramtes würde ich zuallernächst — den Hofstaat auflösen. Prosit.«
»Wenn ich die Ermächtigung dazu erteilte,« rief die Hausfrau. »Prosit.«
»Ich würde selbst vor der Kabinettsfrage nicht zurückschrecken, Hoheit. Prosit.«