»Bleiben wir lieber auf der Erde,« entgegnete sie, »ihre Vorzüge sind noch lange nicht bekannt genug.«

Lüttgen hatte einen roten Kopf. »Wahrhaftig,« stimmte er bei, »selbst das Landleben hat seine Reize, wenn man sie in guter Gesellschaft genießt. Aber unser Freund ist verwöhnt. Die Töchter Albions und die Halbasiatinnen haben ihm zu viel Weihrauch gestreut. Er muß Männer um sich sehen, seßhafte, rheinische Männer, damit er nicht verweichlicht wird. Halt! Ich hab’s! Dieser Tag muß festlich zu Ende geführt werden. Ich bitte, mich auf zwei Minuten zu entschuldigen.«

Zwischen den Zurückgebliebenen herrschte Schweigen. Dann sagte Frau Amely und verschränkte die Hände hinter dem braunen Haarknoten: »Jetzt telephoniert er seine Kölner Freunde an. Das gilt mir. Dadurch, daß er einen Mann wie Sie im Triumph vorführt, gedenkt er mich auszuschalten.«

»Gnädige Frau, Sie haben keinen Anlaß, bitter zu werden. Man muß den Mann, wie er ist, gernhaben.«

»Als Freund. Das glaub’ ich wohl. Aber als seine Frau — —?«

Otten schwieg. Er verglich den schmiegsamen Frauenkörper mit der massiven Figur des Mannes, ihren unumschränkten Geist mit seiner schwerfälligen Hartnäckigkeit. »Das — zu ändern liegt doch wohl in Ihrer Hand,« meinte er endlich.

»Wie einfach das klingt. Man opfert seine schönsten Jahre und darf wieder abtreten. Um Gouvernante zu werden oder dergleichen. Jedenfalls um von der Hand in den Mund zu leben. Denken Sie, dazu reichen meine Illusionen nicht aus. Ich brauche den Rahmen, den ich habe. Wie jeder vernünftige Mensch es tut. Oder können Sie sich die Frau, die Sie vor sich haben, im abgetragenen Wollkleidchen bei Hammelfleisch und Bohnen vorstellen? Nein, ich betrüge mich nicht. Und Herr Doktor Joseph Otten hätte nicht sein Auge auf mich gerichtet.«

»Habe ich das —?«

»Wie ich mich auf diesen Abend freute. Endlich ein Mensch, der für das tägliche Dutzend entschädigte. Mit dem man sich ungesehen in eine andere Welt schwingen könnte, um diese blöde Menge auszulachen. Und nun kommt dies Philistertum mit seinen komischen Weltmannsallüren. Was wissen die von unserer Welt ...?«

»Leiden Sie denn wirklich unter diesen Menschen?«