»Bin ich plötzlich so verabscheuungswürdig?«
»Darf ich mir die Frage gestatten, weshalb Sie Ihrem Manne die Unwahrheit sagten?«
»Das habe ich nicht getan.«
»Indirekt. Indem Sie ihn durch die Aufforderung, mich mit nach Köln zu nehmen, zu der Meinung veranlaßten, es läge Ihnen nichts an meiner Gesellschaft.«
»Tut es das denn?«
»Wegscherzen läßt sich meine Frage nicht.«
»Nun gut denn. Habe ich so Schlimmes verbrochen? Oder sollte ich eigens darauf hindeuten, daß ich mich auf das Alleinsein mit Ihnen freute? Er hätte Sie mir bestimmt nicht gegönnt, Sie mitgenommen, und ich könnte mir, statt endlich eine Stimme aus meiner Welt zu hören, von Johann oder der Köchin den Klatsch von Godesberg erzählen lassen.«
»Wir geraten immer tiefer in die Heimlichkeiten, Frau Amely, und ohne allen Grund.«
»Nicht philosophieren und nicht moralisieren. Das Boot ist zu leicht, der Rhein zu grün, der Himmel zu blau und die Sonne — ach, diese Sonne! Ich kann nicht genug davon bekommen. Baden möcht’ ich in ihr! Und Ihnen geht es nicht anders.«
Sie hatten Nonnenwert umkreist, und das Boot glitt rheinab, frischen Wind in den Segeln auf Königswinter zu. Sie richtete das Steuer fest, stieg über das Brett und setzte sich zu ihm auf die Segelbank. Ihre Schulter schmiegte sich an die seine, bis sie den Stützpunkt gefunden hatte. Die Hände im Schoß saß sie und rührte sich nicht.