»Ich will dir das zuerst erklären,« sagte Koch nach einer Pause, »damit du weißt, bei wem du bist.«

»Es ist nicht notwendig, Heinrich.«

»Aber mir ist es lieb. Heimlichkeiten haben nie zwischen uns beiden bestanden. Seit unserer Kindheit haben wir stets gemeinsame Sache gemacht. Hast du Zeit?«

»Ich bin nur deinetwegen hier.«

Koch schob die Brille zurück und blickte, im Stuhle liegend, zur Zimmerdecke. »Nur meinetwegen — —« Ein glückliches Knabenlächeln lief um seinen feinen Mund. »Das gibt es also noch auf der Welt, und du mußtest kommen, Joseph, um es mich zu lehren. Daher sagte ich vorhin: Ich glaube wieder an eine Vorsehung. Ich fand mich in der Freiheit nicht mehr zurecht.«

»Du bist frei? Deine Arbeiten sind vollendet?«

»Der letzte Korrekturbogen ist gelesen. Und dann hatte ich eine lange Unterredung mit Seiner Heiligkeit.«

»Du warst beim Papst?«

»Ich hatte eine Audienz, als ich den letzten Band überreichen durfte. Und in der Stunde, die mir der heilige Vater schenkte, entwickelte ich ihm die Gründe, die mich bewogen, den Rest meines Lebens auf eine andere Basis zu stellen. Ich wollte kein gewöhnlicher Fahnenflüchtiger sein. Wie es einem Manne ziemt, Auge in Auge wollte ich bekennen. Und der heilige Vater erkannte das an, wenn er auch meine Gründe bekämpfen mußte. Erst als er hörte, daß diese Gründe nicht von heute stammten, daß ich seit Jahren die Dogmatik und ihre Zutaten von mir hatte abtun müssen, um vor mir selber wahr zu bleiben, als er hörte, daß ich bis heute die Treue gewahrt hatte aus unerschütterlichem Pflichtgefühl gegen das von mir übernommene und nun endlich zu Ende geförderte Werk, ließ er ab von mir. ›Ich hoffe auf Gottes Gnade,‹ sagte er, und ich antwortete: ›Auch ich hoffe darauf im Leben und im Sterben.‹ Dann verließ ich den gütigen Mann und verließ den Vatikan, aus dessen Bibliotheken und Archiven ich meine besten Jahre nicht mehr mit mir nehmen konnte ...«

»Ist die Exkommunikation schon ausgesprochen?«