Zwischen Tür und Angel blieb er noch einmal stehen. »Mensch —!« stieß er hervor und preßte Otten heftig an sich. Und mit verlegenem Gesicht, das die Freude rötete, stieg er die Treppe hinab.
Als sie sich in später Nacht trennten, stand der Mond hoch am Himmel. Otten hatte den Freund nach Hause geleitet. Jetzt ging er langsamen Schritts an der Engelsburg vorbei über die Tiberbrücke, immer weiter in die schlafende Stadt hinein, bis zu dem Punkte zurück, von dem sie ausgegangen waren.
Vor ihm rauschten die Wasserfluten der Fontana di Trevi. — —
Lange stand er und schaute gedankenversunken in die sprudelnden Wasser. Dann richtete er seine hagere Gestalt gerade auf.
»Diesmal,« murmelte er, »werfe ich kein Geldstück in die Flut. Diesmal trinke ich nicht von dem Wasser.«
Er legte die Hand über die Augen.
»Denn ich komme nicht mehr wieder ....«
XVI
Wenn der Rheindampfer die grünen Höhen des Siebengebirges passiert hat, und in Bonn und Köln die letzten Rheinfahrer gelandet sind, bleibt ihm meist nur noch die Güterladung zu Tal. Selten, daß ein paar Menschlein an Bord zurückbleiben, die da wissen, daß die Romantik des Stromes weiter reicht als seine rebenbekränzte Bergstraße, daß sie in der niederrheinischen Tiefebene noch einmal einen Triumph feiert, und der köstlichsten einen. Unberührt vom Zuge der Zeit, abseits selbst von den Eisenschienen, die Städte und Dörfer verbinden, hebt sich aus den Rheinwiesen zwischen den römischen Städtegründungen Köln und Neuß eine kleine, burgartige Stadt wie ein vergessenes Märchen: Zons.
Zwei Jahrtausende fast zurück reicht seine Geschichte. Sie ist alt wie die Geschichte Kölns. Ein Dezennium vor Christi Geburt legte Drusus zum Schutz der befestigten Lager Köln und Neuß Kastelle an, und Zons war unter ihnen. Die Franken herrschten hier, und der heilige Kunibert, der erste Erzbischof von Köln, erhielt es vom Frankenkönig zum Geschenk. Eine kurkölnische Feste wurde es, wild von der Kriegsfurie umtobt, und zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts in ein Wunder mittelalterlicher Befestigungskunst verwandelt, das sich durch alle Kriegsstürme hindurch in unsere Tage hinübergerettet hat wie eine Frage der Romantik, an der der Mensch achtlos vorübergegangen ist.