Die Woche darauf waren sie eingerichtet. Sie hatten sich in die vier Stübchen geteilt, daß jeder sein Wohn- und sein Schlafzimmer erhielt. Auch ein Klavier war gekommen. Und die Bücherregale standen vollgepfropft von Bänden.

Heinrich Koch ging schmunzelnd durch die Räume. Seine Gelehrtennatur war erwacht. »Was tun wir nun?«

»Nichts.«

»Nichts —?« wiederholte er lachend.

»Wenigstens vorläufig nicht. Ihr armen Arbeitstiere glaubt, des Daseins Wonne bestände nur in der sichtbaren Beschäftigung. Tausend Dinge greifen wir an und formen sie um. Nur an uns selbst gehen wir nicht heran. Es gibt auch eine innerliche Beschäftigung. Wir wollen uns des Brachlandes annehmen.«

»Ich bin’s zufrieden. Und wenn wir es kultiviert haben?«

»Dann kommt erst die Freude. Und die will auch ihre Zeit haben. Schau dich einmal um in der Menschheit, Heinrich. Wer weiß denn heute überhaupt noch, was Genießen ist? So recht ausgenießen? Die alten Deutschen wußten es, wenn sie aus dem Streit kamen oder von der Jagd und sich auf die Bärenhaut warfen. Die genossen ein jedes Ding doppelt, wenn nicht dreifach und vierfach. Zuerst in der Wirklichkeit, dann im Austausch der Erlebnisse, nachher in der Erinnerung oder gar im Liede des Sängers. Aber wir? Was du gestern erlebt hast, weißt du heute schon nicht mehr. Du stürmst weiter, rastlos aus dem einen Tag in den anderen, und das heutige Erlebnis frißt das gestrige ratzenkahl und wird morgen wieder gefressen.«

»Du sprichst von dir, nicht von mir. Ich lebe und zehre lediglich von meinen paar Jugendjahren.«

»Nun ja — von mir. Vielleicht, wenn ich auf die Schattenjagd gehe, tun mir einige den Gefallen und nehmen Farbe an. So kann ich mir langsam einen Ritter- und Fräuleinhof gründen, in dem ich herumturniere.«

»Werde ich zugelassen? Als Junge war ich Zaungast, und später genierte es mich, durch die Bretter zu spähen.«