»Ja, ja ... Phantasie hät hä gehatt.«
»Und überall in Deutschland hat er Vorträge gehalten, und überall war ein Aufsehen, weil er die Seele der Gedichte lebendig machen wollte über die Form.«
»Dat verstonn ich nit.«
»Vom Gedichte-Rezitieren kam er zum Lieder-Gesang. Den alten Singsang reformieren wollte er, die Töne wieder mit Gedanken füllen. Da hat er aufs neue studiert und studiert, bei den großen Meistern in Frankfurt und in Mailand, denn er mußte alles kennen lernen und ließ nicht ab, bis er alles kannte. Zehnmal soviel hat er gearbeitet als die anderen, und als es ihm gelungen war, nannten es die Trägen und die Gedankenlosen — Glück!«
»Un wenn et so wör! Stolz is hä nit geworde, de Jupp, ene echte Köllsche Jung mit dem Härz op dem rechte Fleck is hä gebliwwe. Wie der ahl Otten gestorwe is un die Firma is opgelöst worde, da hät hä zuerst an mich gedacht. ›So, Klaus,‹ säht der Herr Doktor, ›jetz bis du minge Hausverwalter. Un wenn du nix zu donn häs, kannste de Fremden op dem Rhein erömgondeln. Den Nachen kannste behalten.‹ Nee, nee, nix op minge Jupp Otten.«
Die Frau im Sessel beugte sich vor. Sie zählte die Glockenschläge. »Neun Uhr, Klaus. Jetzt halt’ ich’s nicht mehr aus.«
Der Alte nahm seine Schiffermütze vom Riegel. »Bong. Ich gonn ens zum Lachner in de Obenmarspforten, nachkucke.«
Da wurde heftig an der Hausschelle gezogen. Der alte Klaus hängte seine Mütze wieder an den Riegel. Die Frau war schon auf dem Hausflur.
»Kind — — Kind — —,« brachte sie nur hervor, nahm das Mädchen bei der Hand und lief mit ihm die Treppe hinauf.
»Mutter! Hör doch! Ich hab’ den Vater gesehen!«