Heinrich Koch strich sich lächelnd die feinen Lippen.

»Heinrich, ich bitte dich, nimm dich des Unglücksmenschen an. Es ist ja ein prächtiger Junge, aber er gewinnt bei schriftlicher Behandlung. Ernsthaft: ich mag noch keine Gesichter sehen.«

»Ich finde, daß er keinerlei Aufdringlichkeit gezeigt hat. Obwohl er dir Gefälligkeiten erwiesen hatte, ludest du ihn nicht ein, und er kam nicht. Wenn er heute ungerufen kommt, tat er es sicher im Vertrauen auf deine sprichwörtliche Ritterlichkeit.«

»Laß die Leimruten beiseite. Meinetwegen kann er kommen und mir den Tag stehlen. Ich will keinem schuldig sein.«

Koch fand den Besucher in eifrigem Gespräch mit dem alten Klaus, der wider Gewohnheit redselig geworden war. Bei seinem Hinzutreten brach Frage und Antwort ab. »Es wird sich um Frau Maria gehandelt haben,« sagte er sich und schickte Lachner hinauf.

Joseph Otten stand mitten im Zimmer, als der Besuch eintrat. Das kalte Winterlicht beleuchtete scharf die hageren Züge und die eckig gewordene Stirn, in die die grauen Haarsträhnen fielen. Wie Pergament war die Haut. Nur die Augen hatten ihr helles, strahlendes Blau behalten. Und diese Augen sahen auf Moritz Lachner, der keines Wortes mächtig war.

»Guten Tag, Moritz. Du zitterst ja.«

»Es ist die Erregung, Sie wiederzusehen.«

»Ich dachte schon, es wäre die Erregung, mich so wiederzusehen.«

»Als wenn Sie nicht immer derselbe blieben. Ach, Herr Doktor, ich bin ja so froh.«