»Wenn sie aus Gold besteht, bleibt sie nicht weniger, was sie ist.«
»Dann — lieber gar keine Fessel.«
»Wenn das Frauenschicksal eintritt, werden keine berauschenden Worte standhalten.«
»Aber der Mann wird standhalten.«
»Dann wäre alles gut. Aber du sprichst so leicht von Ausnahmen, weil du selber eine Ausnahmenatur bist. Carmen, ich bitte dich, weil ich dich liebhabe, prüfe nicht nur dich.«
Frau Maria brachte den Tee. »Wenn es Ihnen recht ist, Moritz, warten wir beide noch ein Weilchen. Erst wollen wir die turbulenten Geister aus dem Hause haben. Dann genießen wir den Feierabend.«
Carmen trank im Umherwandern den Tee. Sie horchte nach der Tür, und als es acht Uhr schlug, ließ das Dienstmädchen Laurenz Terbroich eintreten. Über seinem prallen Revolutionskostüm trug er einen langen Pelerinenmantel. Den Kopf zurechtzustutzen, hatte er unterlassen. Er wußte, daß ihn sein glattrasiertes Gesicht mit dem kleinen dunklen Backenbärtchen nach Lord Byron und dem vollen, dunklen Haupthaar am besten kleidete. Er begrüßte die Anwesenden mit jäh herausspringender Herzlichkeit.
»Du läßt mich warten,« sagte Carmen kühl.
»Ärger in der Fabrik. Das Etablissement muß dringend vergrößert werden. Aber das ist ein Ton, der nicht in unser schönes Lied paßt. Wundervoll schaust du aus.«
»Gehen wir.«