Seine Blässe wich. Das Blut kehrte zurück und stieg ihm in die Wangen. »Du tust mir unrecht. Ich bin erbötig, das, was ich soeben sagte, bei Terbroichs Eintritt zu wiederholen. Wenn ich den andern Weg wählte, tat ich es, um dich nicht in eine widerwärtige Szene zu verwickeln. Dazu bist du mir zu gut.«

»Vergib, Moritz,« sagte sie und ergriff hastig seine Hand.

»Carmen — —«

»Ich weiß, daß du mich liebhast. Sieh, ich sprech’ es aus, damit du erfährst, daß mir der Gedanke gar nicht schreckhaft ist. Aber es kann nicht sein.«

»Weshalb kann es nicht sein, Carmen? Denn ich liebe dich wahr und wahrhaftig.«

»Ich will es dir sagen, Moritz, und ich will nichts beschönigen. Weil ich in den engen Geist einer Ehe, wie wir sie führen würden, nicht passe, weil ich mit allem, was ich gelernt habe, nicht bloß Mitläuferin sein kann, und weil mich meine ganze Veranlagung in die große Welt drängt. Ich muß die Arme ausbreiten können, so weit ich will.«

»Der Geist der Ehe ist nicht so eng, wie du ihn hinstellst. Er kann durch die Kameradschaft der Gatten eine Welt eröffnen, gegen die deine ersehnte Welt nur ein leerer Schemen ist. Deine Sehnsucht ist das Fieber unserer Zeit. Sie alle, die in der Jugend die Heilung beiseite schieben, werden im Alter ein Gebrechen mit sich herumschleppen. Schau dich doch um unter deinen Vorbildern. Lauter unzufriedene, ruhelose Frauen.«

»Siehst du die in der Allerweltsehe nicht?«

»Die Ehe, die ich meine, ist keine Allerweltsehe. Der Geist wird die Form bestimmen.«

»Ach, lieber Moritz, die Fessel der Frau schaffst du nicht aus der Welt.«