Sie lag für Sekunden still und suchte ihre Brust zu beruhigen. »Es könnte,« fuhr sie fort, »auch einen andern Verlauf mit mir nehmen, als wir uns wünschen ... Sollte das sein — hab’ ich dich doch für den Rest — ganz für mich allein.«

Es rieselte durch seinen Körper. Da waren dieselben Gedanken, die er eben erst dem Arzte ausgesprochen hatte. Und nun klangen sie wieder zusammen in einen Ton, wie so oft, wie immer.

»Wir gehören zusammen,« sagte er nur.

»Spürst du das, Joseph?«

Er antwortete nicht. Er legte seinen Kopf dicht neben den ihren auf das Kissen und verharrte so. Langsam kroch der Abend ins Zimmer und umspann sie.

Wenige Worte hatten sie nur getauscht, Zärtlichkeitsworte, die nur ein Hauch waren und doch die Kammer füllten. Jetzt machte Otten Licht, nahm mit einer Geschicklichkeit, über die er selber staunte, eine neue Packung vor und reichte seiner Frau die Medizin. Die Fiebermessung ergab einen höheren Grad.

Mit dem vorrückenden Abend fühlte sie sich schwächer. Der Atem ging heißer und heftiger, und das Bemühen, es ihn nicht merken zu lassen, gab ihr wirre Worte ein. Die Wirtschafterin brachte die Kräftigungsmittel, die der Arzt verordnet hatte, und sie nahm sie ohne Zögern. Auch von dem Champagner, den Otten ihr von Zeit zu Zeit reichte, trank sie gehorsam. Dann begann sie zu erzählen, halblaut, in kurzen, abgerissenen Sätzen, die sie ihrem Atem anpaßte. Nahes und Fernes, alles mit demselben merkwürdig wichtigen Ton. Als wäre nichts Unwichtiges in ihrem Leben gewesen.

Immer länger, immer erregter wurden die Sätze. Ihr Kopf zuckte unter seinen Händen. »Wenn ich nur schlafen könnte,« murmelte sie erschöpft.

Gespannt horchte Otten auf jedes Geräusch, das von der Straße kam. Aus der Ferne ein paar Freudenjauchzer von Karnevalsbrüdern. Sonst nichts. Und die Uhr zeigte auf zehn. Jede Minute dehnte sich ins ewige. Jetzt! Räderrollen ... Er atmete auf. Vor dem Hause hielt die Kalesche.

Der Arzt hatte Lungen und Herz einer neuen Untersuchung unterzogen. Standhaft hielt Frau Maria aus, obwohl jede Bewegung sie schmerzte. »Ich bring’ Ihnen den Schlaf, gnädige Frau.« Und er vollzog schnell eine Morphiumeinspritzung. An ihrem Bett blieb er sitzen, bis die Wirkung eintrat. Mitten in der Erzählung froher Dinge, die sie bewegten, legte sie den Kopf auf die Seite und schlummerte ein.