»Dann mußt du mir aber ein frisches Nachtkleid anziehen. Und die rote Schleife ins Haar!«

»Willst du dann aber auch einschlafen?«

»Wenn ich kann — —.«

»Ich hol’ es dir herunter. Lauf in die Küche und zieh dich aus. Dort ist es wärmer. Ich werde dich schnell noch waschen. Aber ganz schnell, damit der Vater uns nicht überrascht.«

»Ich muß ihr heute den Willen tun,« beruhigte sie sich, als sie in der Giebelstube das neue Nachtkleidchen hervorholte, und eine feine Röte kam und ging auf ihrem Gesicht. »Ich mach’ es ja selbst nicht besser ...«

Carmen stand bereits ausgezogen vor einer kleinen Blechwanne, die sie voll Wasser gefüllt hatte. Die Tropfen spritzten um ihre schlanken, gelenkigen Glieder. »Du brauchst mir nicht zu helfen, Mutter, ich bin schon fertig.«

»Ich reib’ dich ab. Du bist ein Leichtsinn.«

Sie hüllte den schauernden Kinderkörper in ein Badetuch, hob ihr Kleid, als sie auf einem Vorlegeteppich niederkniete, und rieb die Kleine trocken. Durch das Tuch spürte sie bald die Wärme der Glieder. Da warf sie das Tuch beiseite, zog mit einer heftigen Bewegung das zappelnde Kind an sich und bedeckte es mit Küssen.

»Was ist das nur,« schoß es ihr durch den Sinn, »daß man sein Kind so lieb hat? Ist es das Kind selbst? Oder ist es der Vater —?«

»Abmarschiert,« sagte sie und schloß den Knopf des Nachtkleidchens.