Heinrich Koch sah ihn an. Es war Stille. Und Heinrich Koch sagte in der Stille: »Ich bin kein Priester mehr, und das Recht, Beichte zu nehmen und Absolution zu geben, habe ich nicht mehr. Aber ich kann dir die Hand geben, wenn das Grauen kommen will. Vor Kameradschaft fürchtet es sich.«
Sie blickten beide hinaus, in das weite Land und über den breiten Strom. Über die Landstraße zog eine Prozession, Wallfahrer, die zum Muttergottesbild nach Kevlaar wollten. Verwehte Töne kamen herüber.
»Gegrüßet seist du, Maria. — O Maria, hilf!« ...
Und über den Strom glitt das Motorboot, das die Fähre zwischen Zons und dem Urdenbacher Ufer wieder aufgenommen hatte, und brachte eine Gesellschaft junger Düsseldorfer Künstler hinüber, die eine Aschermittwochstour hinter sich hatten und das alte Mauernest ansingen wollten und nichts Passenderes fanden als:
»Köln am Rhein, du schönes Städtchen,
Köln am Rhein, du schöne Stadt — —«
»Da zieht die Vergangenheit,« sagte Heinrich Koch, »nach links und nach rechts.«
Der alte Klaus kam ins Zimmer, holte sich einen Stuhl in die Kaminecke und rauchte nach des Tages Aufregungen mit stillem Wohlbehagen seine Pfeife.
Joseph Otten erhob sich. Seine Augen hatten den stahlblauen Glanz. Er öffnete das Fenster und ließ die Luft über sich hinströmen — —
Am Himmel stand ein leuchtendes Abendrot.