Am Nachmittag des nächsten Tages begruben sie Frau Maria. Es war ein sonnenheller Vorfrühlingstag.

Als sie ins Haus zurückkehrten, ging Carmen auf des Vaters Zimmer. Er empfand, daß sie die Stunde für sich brauchte, und folgte ihr nicht. Moritz Lachner blieb bei den Männern.

»Wenn die Tage länger und wärmer werden,« begann der Professor nach einer Weile, »können wir unsere Forschungen im Freien beginnen. Ich möchte den ganzen Niederrhein nach den Tagen der Vergangenheit befragen und die Menschen, die vor uns auf der Scholle saßen, erkunden. Und wenn wir gefunden haben, daß alles, in seiner Art, nicht anders war, als es heute ist, wird uns unser Leben gar nicht mehr so außergewöhnlich vorkommen. Wie wär’s, Herr Kollege, wenn Sie sich beteiligten? Auch Carmen könnten wir dazu erziehen.«

Moritz Lachner sah auf Otten. »Carmen? Ich hätte sonst nur das Haus meines Vaters vorzuschlagen.«

Otten nickte. »Es ist ein Althändlerladen.«

Eine leichte Röte stieg in des jungen Mannes Wangen. »Es kommt darauf an, wie wir es anschauen,« sagte er leise. »Hat man sich die Kinderaugen bewahrt, sieht man selbst im ärmsten Ding die Prinzessin.«

Otten reichte ihm über den Tisch hinüber die Hand. »Komm wieder. Wir können dich brauchen.«

»Ich will es Carmen sagen.« Und er ging hinauf, um ihr seine neuen Pläne vorzulegen und ihren Lebensmut in die Ferne zu richten.

Die beiden Freunde waren allein.

»Solange die Kleine hier ist,« begann Otten, als redete er mit sich selbst, »habe ich die Sonne. Und wenn es gestohlene ist. Ich habe sie. Aber wenn mir das Kind einmal weggeholt werden sollte, und ich wäre ganz allein, und das Grauen käme —«