»Erzähle nur. Einmal müssen wir das Leben doch wieder aufnehmen.«

»Laurenz Terbroich ist tot.«

»Ist das so wichtig?«

»Es ist nur ein seltsames Zusammentreffen.«

»In der Tat.«

»Ich hatte eben Ihre schmerzliche Depesche erhalten und besprach mich mit meinem Vater, auf welche Weise ich Carmen vorbereiten könne, als die Ladenglocke anschlug und Carmen vor uns stand. Schneeweiß im Gesicht. ›Laurenz ist tot,‹ sagte sie, und wir setzten sie in einen Sessel. Sie hatten für den Abend eine Verabredung gehabt, und da schon eine Stunde über die Zeit verstrichen war, nahm sie einen Wagen und fuhr zu ihm hinaus. Da vernahm sie es von dem Diener. Der alte Terbroich war oben und der Hausarzt. Sie ließen niemanden vor. Und sie war ohne weiteres zu uns gefahren. Nun mußte ich ihr das Schwerste mitteilen. Ich tat es so sorglich, wie ich es vermochte, weil ich eine furchtbare Gemütserschütterung befürchtete. Aber sie saß wie aus Stein. Nur einmal sagte sie: ›Mutter — —!‹ Das war mehr als der wildeste Ausbruch. Dann bat sie um ein Quartier. Und ich ging noch, um über Laurenz Terbroichs Tod Erkundigungen einzuziehen. Er war verunglückt. Der Diener erzählte mir, daß er ihn Champagner trinkend verlassen hatte, um ihn, das Glas noch in der Hand, am Abend tot aufzufinden. Im Domino, aus dem er während der Fastnachtstage kaum herausgekommen wäre. Er hatte im Rausch einen unglücklichen Sturz getan und war mit der Schläfe gegen die scharfe Kante des Tisches aufgeschlagen. Der Tod wäre auf der Stelle durch Bluterguß ins Gehirn erfolgt. Der alte Herr Terbroich wünschte nicht, daß die Umstände, unter denen sein Sohn gefunden wurde, bekannt würden. Er sollte noch in der Nacht eingesargt werden. Der Diener wurde in seine Heimat beurlaubt.«

Joseph Otten hatte während der Erzählung schweigend zum Fenster hinausgeblickt. Nun wandte er den Kopf. Und er blickte in Heinrich Kochs Augen. Keiner wandte den Blick ab.

»Es ist Aschermittwoch heute,« sagte Joseph Otten. »Nun ist der Mummenschanz zu Ende.«

»Und das Leben fordert uns wieder,« gab der alte Gelehrte zurück.

»Oder wir das Leben.« — — — —