Auf dem primitiven Lager, das die Wirtschafterin ihm hergerichtet hatte, schlief er traumlos die ganze Nacht. Als er erwachte, war der Morgen da. Heinrich Koch klopfte an seine Tür und meldete, daß der Sarg gebracht worden sei. Er ließ nur den Freund und den alten Klaus ins Zimmer. Zu dritt trugen sie den Sarg in die Schlafkammer und betteten Frau Maria gemeinsam hinein. Es sollte keine fremde Hand sie berühren. »Sie braucht nicht geschmückt zu werden. Man schenkt nicht einem Reichen ein Groschenstück.«

Dann fuhr der Omnibus vor, und Lachner und Carmen entstiegen ihm.

Otten stand allein im Zimmer und erwartete seine Tochter. Man ließ sie allein eintreten.

Ohne daß eine Muskel in seinem Gesicht zuckte, sah er ihr entgegen. Jetzt war sie im Zimmer. Jetzt lief sie auf ihn zu. Jetzt klammerte sie die Arme um seinen Nacken und preßte ihren Körper an den seinen. Immer enger, immer fester. Als müßte sie mit ihm zusammenwachsen. Und er schloß die Arme um sie und war eins mit ihr.

Nur ein einziger, kurzer, wilder Ton, der einen Herzschlag lang das Gemach füllte. Und doch hatten sie beide aufgeschrien. — —

Joseph Otten war hinuntergegangen, um Carmens Begleiter zu begrüßen. Er fand ihn auf der Diele, und Heinrich Koch war bei ihm. »Ich danke dir, Moritz. Such keine Beileidsbezeugungen. — Du selbst bist die beste.«

Er saß mit ihnen am Tisch, und es blieb lange still.

»Herr Doktor Lachner hat dir noch aus Köln zu berichten,« sagte dann Heinrich Koch und sah den Freund an.

»Ist es wichtig?«

»Soll ich nicht lieber damit warten?« fragte Lachner verstört.