Er beugte sich aus dem Sattel, ergriff ihre Hand und drückte seinen bereiften Schnurrbart auf den Handschuh.

»Mein Brauner dankt Ihnen, gnädige Frau.«

»Das nenn’ ich diplomatisch. Und nun querfeldein! Der Frost hat den Schnee wie einen Parkettboden über die Ackerschollen gelegt. In fünf Minuten sind wir daheim. Trab!«

»Daheim? – Trab!«

Und zum ersten Male lachten sie miteinander. Ganz jung und gesund. Unter den Hufen der Pferde stäubte der Schnee, aus der Ferne tönte das leise Singen des Frostes, die Mondscheibe gewann an Leuchtkraft, und das tiefverschneite Land, Meilen hinaus auf dem Rücken des Berges, lag wie ein Geheimnis. Vor ihnen bauten sich die Umrisse des Herrenhauses auf. Das Licht des frühen Mondes schimmerte in der grünen Patina der Turmdachkappe. Die mächtigen Schieferdächer des Hauptbaues reckten sich kantig hoch. Das war stark und heimlich. In der Verborgenheit eine Geborgenheit. Und Ackerland ringsum.

Ein Knecht lief ans Tor und nahm vor den Stallungen die Pferde ab. Aber sie gingen beide mit hinein, bis die Tiere versorgt waren. Und als ob es sich so von selbst verstände, ging die Gräfin weiter, von Box zu Box, von den Wagenpferden zu den Ackergäulen, Futter und Stroh prüfend, den Tieren den Hals klopfend. Mit einem eigentümlichen, frohen Blick verfolgte der Oberst ihr ruhiges Tun. Dann schritten sie über den gefegten Hof, an der strohumwundenen Brunnenpumpe vorbei, und betraten das Herrenhaus.

»Sie müssen mich zwei Minuten entschuldigen, lieber Freund. Nur aus der Fessel des Reitkleides heraus!«

»Und ich –? Darf ich in meinem winterlichen Reiterflaus ins Heiligtum?«

»Dort ist die Bibliothek. Nein, nein, ich will Sie nicht erschrecken! Das Zimmer hat den gemütlichsten Kamin. Nur deshalb.«

Er war allein in dem Raum. Die Längswand war mit dichtgefüllten Bücherregalen besetzt. Die Ecke zum Fenster schnitt ein geschnitzter Schreibtisch ab. Darüber hing ein Ölbild: Das griechische Theater zu Taormina. Die andere Wand füllte der weitbauchige Marmorkamin.