»Wie Sie Ihrer Mutter gleichen,« erwiderte er nur.
»Wenn das wahr ist, so sind wir gute Freunde,« lachte sie. »Ein besseres Kompliment konnten Sie mir nicht machen, als daß ich meiner schönen Mama ähnlich sei. Ah,« rief sie ausgelassen, »ich bin so stolz auf meine schöne Mama, so stolz!« Und damit warf sie sich stürmisch an die Brust der Mutter und küßte sie unbekümmert um den Zuschauer wie eine Geliebte.
»Aber, Ada,« wehrte Frau v. Stein errötend, »was soll der Herr Baumeister denken?«
»Was er will, Mama, was er will!« und sie schloß ihr den Mund mit Küssen. »Ich habe ja meine schöne Mama so lange nicht gehabt. Ist sie nicht schön, Herr Baumeister? Und so lieb, so lieb. Ich werde zeitlebens eine alte Jungfer bleiben, denn meine junge Mama wird mich bei allen Bewerbern in den Schatten stellen.«
»Höre auf, du Unband!« rief Frau v. Stein und erhob sich schnell. »Lernt man das im Kloster?«
»Ach, Mama, im Kloster – –. Da hatte ich nur immer eine Sehnsucht, eine Sehnsucht – –.«
Frau v. Stein zog das wilde, blühende Mädchen an sich.
»Wahrhaftig,« sagte sie leise, »sie gleicht mir. Auch darin. Aber ihre Sehnsucht soll gestillt werden. So wahr mir Gott helfe, in einem wollen wir uns unterscheiden.«
Das Abendessen wurde heute in dem kleinen Salon serviert. Es war ein angeregtes Mahl, und das Mündchen der jungen Dame wurde nicht müde, zu fragen und zu plaudern. Als das Auge der Mutter den jungen Baumeister streifte, bemerkte sie, daß er das sonnige Geschöpf noch immer wie eine Erscheinung anstarrte. Da stand sie leise auf und trat ans Fenster.
»Aber was hast du mit dem Fuß, Mama?«