»Ich verspreche, es nicht wieder zu tun, mein Fräulein. Aber in diesem Falle –«

»Ach was,« zürnte sie, »Sie hätten mich rufen sollen.« Dann lachte sie über ihre eigene Dummheit und hielt ihm die Hand hin. »Weil Sie sich so ritterlich betragen haben.«

Er küßte ihr gehorsam die Fingerspitzen.

»Und jetzt müssen Sie uns verlassen. Ich werde eine Kompresse machen. Morgen ist auch noch ein Tag.«

Er gehorchte auf der Stelle, wünschte den Damen eine gute Nacht und zog sich zurück.

Droben aber im kleinen Salon hielt Frau v. Stein das Gesichtchen ihrer Tochter, das dem ihren so ähnlich war, zwischen beide Hände gepreßt und schaute lange in die jungen Augen hinein. Am dunkelblauen Firmament glänzte ein Stern auf, dann wurden es viele, und mit einem Male leuchtete der ganze Himmel. Sie aber sah nur immer ihr reines, schönes, fröhliches Kind, um das sie sich so wenig gesorgt hatte und von dem sie sich trotzdem geliebt wußte bis zur kindischen Eifersucht. Als ob ein Alb von ihr gewichen sei, so frei und glücklich schaute sie auf die Unschuld in ihren Armen, und während sie ihr die Locken aus der Stirne strich, murmelte sie: »Mein zweiter Frühling. – Sollte ich ihn nun doch gefunden haben – –?«


Frau v. Stein hatte für den Aufenthalt in Florenz noch eine Woche zugegeben. Ada jagte in den Museen umher, die ihr während ihres Klosterlebens fremd geblieben waren, und konnte nicht genug bekommen von den Werken der unsterblichen Meister. Erkelenz war ihr getreuer Begleiter, auch dann, wenn Frau v. Stein zu Hause zu bleiben wünschte.

»Mit Ihrer Frau Mama ist eine große Veränderung vor sich gegangen,« sagte er eines Tages.

»Inwiefern?« inquirierte sie sofort. »Ist sie nicht mehr so lieb und schön?«