Giuditta war mit ihrem fiebernden Gast allein. Sie stand aufrecht am Kopfende des Bettes und sah ihn an. Er war in Schlummer gefallen. ›Wenn ich ihn rette, gehört er mir,‹ ging es ihr durch den Kopf. Oder – ›ich kann ihn nicht sterben lassen, weil er mich geküßt hat.‹ Der Kranke lachte im Schlaf. Sie zog die Brauen zusammen. ›Was in ihm vorgehen mag …?‹ Ganz blaß wurde ihr Gesicht. Ein Beben ging durch ihre Hände. Und plötzlich beugte sie sich nieder, hob das Leintuch von der Brust des Kranken und legte ihr Ohr auf die Stelle …

Langsam richtete sie sich auf, ein wenig nur, ihr Gesicht dicht über dem Schlummernden. Dann schloß sie fest die Augen und legte, leise tastend, die Hände weich um seine Wangen. Und mit festgeschlossenen Augen beugte sie sich vor und küßte ihn.

»Gut gemacht,« lallte der Fremde, »gut gemacht.« Und er hob die Arme und streichelte schwerfällig ihr Haar.

Dieselben Worte, die er ihr zugerufen hatte, als er aus dem Kahne sprang. Dieselbe Bewegung fast. Heute ließ sie Worte und Berührung über sich ergehen. Sie lächelte.

Und eine Woche ging hin. Giuditta war nicht aus dem Zimmer gewichen. Wenn der Schlaf sie übermannte oder die alte Amme sie zur Ruhe zwang, genügte ihr ein notdürftig Lager in einer Ecke der Kammer. Beim leisesten Geräusch, das der Kranke verursachte, sprang sie auf. »Es geht nicht ohne mich.« Tag für Tag legte sie ihr Ohr auf seine Brust und ihre Hände um seine Wangen. Minutenlang. Aber geküßt hatte sie ihn nicht wieder.

Eines Morgens schlug er ruhig die Augen auf. Aufmerksam betrachtete er seine Umgebung und besonders prüfend seine Pflegerin.

»Wie heißen Sie?«

»Giuditta.«

»Was tun Sie hier?«

»Ich bin in meinem Hause.«