Er wandte sich kurz ab.
Über ihm war ein Rauschen und Flattern. Großbritanniens Flagge wehte vom Mast, grüßend stieg die deutsche auf und nieder, über die Toppen hißte das Schiff paradierend den Wimpelschmuck der Nationen. Und von der Reede Gibraltars erwiderten englische Kriegsschiffe die Höflichkeitsbezeigungen mit kurzem Flaggengruß.
Die Passagiere waren an Deck geeilt. Lachend und lärmend um die Schiffskapelle geschart, die mit aller Kraft »God save the king« ertönen ließ, winkten sie mit den Tüchern den drohenden Felsbatterien zu, bis der Dampfer in stolzer Fahrt einen Streifen freien Mittelmeers zwischen sich und die gewalttätige Europaspitze gebracht hatte und das Dunkel der hereinbrechenden Nacht das Land verschlang. Und plötzlich durchbrach ein Blitzen die Dunkelheit, feurige Blumen strahlten, lockten und flammten, süße Walzerklänge schmeichelten sich wiegend über Deck – »Rosen aus dem Süden« …
Eine Stunde schon jauchzte die Musik durch das Schiff. Der Mann auf dem Sonnendeck horchte. Leichte Schritte kamen die Treppe herauf, schwerere hinterdrein. Dann stand im Licht der einsamen elektrischen Lampe eine überschlanke Erscheinung in schleppender, meergrüner Seide, mit einem feinen blassen Köpfchen, das brünette Haar nach Knabenart kurz geschnitten. Neben ihr der Kapitän, mit der Zuvorkommenheit des aufmerksamen Gastgebers. Sie sprachen Englisch.
»So, Miß Turnbull, hier können Sie Luft schöpfen. Das ist ein ganzes Reservoir.«
»Danke, Kapitän. Und nun kehren Sie zu Ihren Pflichten zurück. Es war sehr schön.«
»Fallen Sie mir nicht über Bord, Miß Turnbull, und lassen Sie sich nicht vom Wassermann stehlen. Auf Wiedersehen! Hallo, ist da jemand – –?«
»Jawohl!«
»Ah, sieh da. Das trifft sich. Sie unterhalten wohl Miß Turnbull. Darf ich vorstellen? Herr Wilhelmi, Doktor oder Professor, das weiß ich wirklich nicht.«
»Nehmen Sie an: beides.«