»Soll ich mich etwa freuen, daß ich das zehn Jahre mit angesehen habe?«

»Was denn? Tränen und Seufzer? Von mir nicht!«

Frage und Antwort flogen hastig durch den aufgewirbelten Wind … Ein kurzer Galopp über ein ebenes Wegstück, eine scharfe Biegung an einer buschbestandenen Stelle, und aus der Talmulde tief unter ihnen blitzten und blinzelten rot und gelb die Lichter des Städtleins.

Noch einmal parierte die Reiterin ihr Pferd. Mit einer Handbewegung umfaßte sie das Bild, mit einer ganz langsamen Bewegung der behandschuhten Rechten. Aber sie sprach nicht. Im Tal schlug die Kirchenuhr. Die Klänge schwangen sich in der Winterluft weit über Land.

»Der alte Pfarrer ist nun auch schon tot,« sagte der Oberst. »Das ist schon eine Reihe von Jahren.«

»Als sein Sohn starb.«

»Ja, als Sie zurückkehrten. Ich hatte Urlaub genommen, um Sie auf der gemeinsamen Heimatscholle zu begrüßen. Herr Gott, Gräfin, schlug mir das Herz auf der Herreise.«

»Sie haben mir damals ein Versprechen gegeben. Die Frage, die Sie hertrieb, nicht auszusprechen. Damit wir die alten Kindheitsfreunde blieben.«

»Kindheitsfreunde? Ich war Zeit meines Lebens zehn Jahre älter als Sie, das zählt in der Kindheit. Als ich Sie endlich gewahrte, waren Sie Gräfin. Ich habe Unglück mit Ihnen.«

»Ich werde Sie vor weiterem Unglück bewahren.«