»Gnädige Frau,« stotterte er, »ich schmeichle nicht. Wie kann man dort schmeicheln, wo es der Gegenstand gar nicht bedarf. Aber etwas schön finden, was in seiner Natur schön ist, das kann nicht beleidigen, weil es wahr ist. Und die Wahrheit darf ich sagen und Sie dürfen sie anhören.«
»Wenn ich Sie noch weiter sprechen ließe, würden Sie mich zu einer Aphrodite stempeln.«
»Ja,« sagte er ehrlich.
Nun war es an ihr, eine heiße Welle zu empfinden, die vom Herzen in die Wangen drang. Sie wandte sich schnell zur Seite, rief einen Kutscher heran, der sich längst schon durch lebhafte Gebärden bemerkbar zu machen versuchte, und stieg in den Wagen.
»Nehmen Sie Platz, Herr Baumeister, ich bin und bleibe doch die ältere.«
Der Wagen rollte den Cascinen zu. Erkelenz hatte sich auf dem rückwärtigen Polsterbänkchen niedergelassen und schaute, die Hände zwischen den Knieen gefaltet, stumm zu ihr auf, die in den Fond gelehnt ihren Gedanken nachzuhängen schien.
»Ist es nicht wunderbar,« begann sie plötzlich, »daß wir wie alte, gute Freunde durch Florenz fahren, und kennen uns doch erst seit einer Stunde?«
»Wenn es ein Wunder ist,« erwiderte er leise, als wollte er die Stimmung nicht zerreißen, »so ist es ein schönes Wunder, für das ich nach Dank suche.«
Sie sah ihn einen Moment voll an und die langen Wimpern zitterten ein wenig.
»Auch sind Sie mir nicht so ganz unbekannt,« gestand er. »Ich kenne Sie schon lange. Von der Madonna della Sedia her.«