»Seit acht Tagen,« nickte sie. »Ich sah Sie täglich dort.«
»Sie waren so gütig, mich zu bemerken?« rief er. Und unbekümmert darum, daß sie in einem offenen Wagen fuhren, beugte er sich rasch vor und küßte ihre Hand.
Sekundenlang schloß sie die Augen. Dann, mit einem Blick voll liebevoller Nachsicht, sagte sie nur: »Sie großes, törichtes Kind.«
Bei ihm aber, der gefürchtet hatte, gescholten zu werden, war der Bann gebrochen. Er begann zu schwatzen und zu lachen, erzählte tausenderlei Dinge von seiner Heimat, seiner Mutter, seinen Universitätsjahren und den tollen Studentenstreichen, seiner Assistentenstellung, die er sich gleichzeitig mit dem großen Preis für die beste Examensarbeit errungen hatte, der ihm jetzt die Italienreise ermöglichte, und seinen Aussichten, in ein paar Jahren eine Professur zu erlangen, falls er nicht doch noch die Praxis vorzöge. Und mit einem Male verstummte er, sann vor sich hin und lachte wieder.
»Weshalb lachen Sie?« fragte sie und betrachtete sein jugendfrisches Gesicht mit steigendem Wohlgefallen.
»O –« machte er überrascht.
»War es etwas Schönes, so müssen Sie die Wahrheit sagen.«
Er wurde verlegen und stammelte: »Ich – ich – nein, es ist zu närrisch.«
»Haben Sie kein Vertrauen zu mir?«
»Alles, alles!« beteuerte er hastig, »und ich will’s auch gestehen, selbst auf die Gefahr hin, daß Sie mich auslachen.«