»Da könnten Sie ausnahmsweis’ Recht haben, Herr Professor,« erwiderte Frau Christiane und erhob sich aus ihrer abgedunkelten Diwanecke. »Aber da Sie den falschen Platz nun schon einmal eingenommen haben, wollen wir das gegenseitige Vergnügen auf die allerkürzeste Dauer beschränken. Ich bin die Frau Christiane Opterberg.«
»Die Frau — Christiane — Opterberg?« wiederholte der Professor betroffen.
Frau Christiane nickte ihm zu. »Die einzige meines Namens.«
»Unverändert,« brachte der Professor hervor, »unverändert …«
»Aus so berufenem Mund freut’s mich ganz besonders,« sagte Frau Christiane strahlend, »wenn ich auch wohl einiges Ihrer Kurzsichtigkeit zuschreiben muß. Aber was ist denn mit Ihnen? Sie sind ja ein ganz graues Mannle geworden und wackeln schon bedenklich. Wohl über die Siebzig, Herr Professor?«
»Oh — oh —« wies Professor Barthelmeß entrüstet zurück, »noch nicht die Mitte der Sechzig erreicht, meine gnädige Frau.«
»Dann ist es aber schlimm. Dann ist’s aber an der Zeit, daß Sie auf die Erhaltung Ihrer Kräfte bedacht bleiben. Geht’s denn mit dem Gedächtnis noch alleweil?«
»Ich wünsche mit Herrn Opterberg die vermögensrechtlichen Fragen zu regeln,« sagte der Professor, und seine Stimme zitterte vor Ärger.
»Ich weiß. Oh ich weiß alles bis ins kleinste. Mein Sohn hat mich als seine Vertreterin bevollmächtigt. Wenn Sie also meinen, Sie schafften’s, von mir aus können wir auf der Stell’ beginnen.«
Professor Barthelmeß sah sie hochmütig über den Kneiferrand an.