»Dazu gehört nichts als das Einmaleins, Martin. Das heißt: wenn wir fünf gerade sein lassen. Anders ist ein alter Gauner niemals auszuschalten.«
»Du denkst wie ich, Mutter. Es handelt sich, wie du es dir schon gedacht hast, um die Einrichtung meines Hauses, die ich zwar von meinem Gelde bezahlt habe, die aber von der Gegenseite als eine Schenkung vor der Ehe betrachtet wird. Der alte Barthelmeß brauchte mir nicht erst mit einem Prozesse zu drohen. Es hängen mir zuviel Erinnerungen an den Möbeln, die nur für die Gegenseite Wert haben. Nur was ich mir selber beschafft habe, hier und im Ausland, mein Arbeitszimmer und was vom Opterberghof und aus der Kindheit stammt, das möcht’ ich nicht gern von dem alten Barthelmeß verhökert wissen.«
»Darum rief der Bub nach der Mutter.«
»Ja, darum. Weil mir derartige reinliche Scheidungen nicht zu liegen scheinen.«
»Und da dachtest du: das besorgt die Mutter mit Scheuertuch und Besen im Handumdrehen.«
»So dachte ich, Mutter.«
»Ach, Martinle,« meinte Frau Christiane und lachte in sich hinein, »ich hab’ den Glauben an deine Unverwüstlichkeit nie aufgegeben. Nun holt sich der Rhein wieder Wasser aus der Quelle. ’s ist recht so.«
Martin Opterberg saß in seinem Stuhl und umfing mit liebevollem Blick das fröhliche Mutterbild. — —
Mit der Sicherheit eines Gläubigers betrat Professor Barthelmeß schon in der achten Morgenstunde das Haus. Das Mädchen wies ihn ins Arbeitszimmer. »Zur Stelle,« sagte er in dem Glauben, Martin Opterberg vorzufinden. »Schönen guten Morgen,« klang es ihm als Antwort entgegen.
Verdutzt suchte der Professor nach seinem Augenglas. Er hatte die Stimme einer Dame vernommen und beeilte sich, sich vorzustellen. »Professor Barthelmeß. Entschuldigung, ich bin hier wohl am falschen Platz?«