Der Professor hustete in den vorgehaltenen Hut. Der Kneifer fiel ihm ab, und er mußte ihn mit dem seidenen Schnupftuch umständlich säubern. »Halten wir uns nicht auf, verehrte Frau. Ein paar Siegel an die Sachen, und wir sind aller Mißverständnisse enthoben.«

»Wozu wollen denn der Herr Professor den teueren Siegellack opfern? Die Schränk’ und Truhen sind doch alle leer.«

»Leer — —?«

»Aber gewiß, Herr Professor. Ich hab’ mit den Mädchen in der Frühe wacker schaffen müssen, um all das alte Familiensilber und die Berge Kristall und Porzellan unversehrt herauszubringen und gut wieder wegzuschließen. Auch den Opterbergschen Leinenschatz. Ein Gedächtnisfehler vermag jetzt nimmer aufzukommen, und für die Gotik und Renaissance und die geschnitzten Heiligen und die betrübten Engel dürft’ ein mäßiger Möbelwagen vollauf genügen.«

Der Professor wischte sich mit dem seidenen Tuch die Stirn. Er zitterte vor Erregung. Ein Wort murmelte er zwischen den Lippen, das keine Liebkosung war, aber Frau Christiane achtete es nicht.

»So setzen Sie sich doch. Sie sind wirklich sehr, sehr schonungsbedürftig. Aber ein Mann von Ihren Jahren, der all sein Leben lang gottesfürchtig die lieben Heiligen geflickt und die Kirchen und Kapellen schön ausgebessert hat, sollt’ doch etwas mehr an die himmlische Glückseligkeit denken als an den irdischen Schabernack.«

Da setzte sich der Professor, und sein seidenes Tüchlein fuhr über Stirn und Schädel.

»Es wird nun alles besorgt. Sie dürfen getrost heimfahren,« sagte Frau Christiane.

»Gut,« murmelte der Professor, »gut, ausgezeichnet,« und er zerrte an seiner Brusttasche. »So haben Sie wohl die Güte, diese Ausgaben zu begleichen, die ich als Bevollmächtigter der Parteien gemacht habe. Fahrt, Gasthof und drei kostbare Arbeitstage zu je hundert Mark.«

»Das trifft sich ausgezeichnet,« lobte Frau Christiane und nahm das Papier entgegen. »Da kann ich, die ich ebenfalls als Bevollmächtigte der Parteien zu gelten hab’, auf der Rückseite des Zettels gleich meine Gegenrechnung aufmachen. Leider war meine Reis’ viel kostspieliger als die Ihre, und da ich daheim so gut wie für zwei schaff’, muß ich gerechterweis’ auch zwei Arbeitskräfte in Rechnung stellen. Sehen Sie, da hab’ ich’s schon. Sie bekommen von der einen Partei rund fünfhundert Mark, ich hab’ von der Gegenpartei zu bekommen — fünfhundertzehn. Na, wegen der zehn Mark wollen wir kein groß Aufheben machen. Ich streich’ sie, und die Sache ist glatt.«